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Think pink: Positives Denken  

 

Nun gut, eventueller Nutzen und etwaige Wirkkraft positiven Denkens sind ja nun bereits öfter einmal thematisiert worden und dürften auch dem spirituell Unbefleckten mittlerweile durchaus ein Begriff sein. Aber, Attention please, Attenzione, Atención por favor - ich bitte um ungeschmälerte Aufmerksamkeit: Ihr wisst ja noch nicht das Neueste! Von heute an ist es nicht mehr nur eventuell nützlich und etwaig günstig, positiv zu denken, nein, ab jetzt & sofort müssen wir positiv denken!! Wehe dem aber, der nicht positiv denkt. In diesem Fall kann Euch wirklich keiner mehr helfen. Und dieser Welt sowieso nicht. 

Derlei Erkenntnis nennt man in unseren Reihen aber innovatives Fortschrittsgut.

Und wieder einmal beglückt uns die spirituelle Praxis mit ganz & gar geklärter Lehre und verhilft unserem Bewusstsein zu ungeahnten Quantensprüngen. Herzlichen Dank auch!

Und glaubt mir, Leute: Ich hab's wirklich versucht... 

 

 

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Think Pink: Positives Denken

 

 

Unsere Gedanken erschaffen unsere Realität. Wir sind, was wir denken. Jeglicher grobstofflichen Wirklichkeit liegen feinstoffliche Ursächlichkeiten zugrunde. Gedanken sind der Urgrund aller Schöpfung.

 

Siehe: Keinesfalls möchte der enge Zusammenhang zwischen Denken und Sein, zwischen Vorstellungskraft und Erfahrung, zwischen innerer und äußerer Realität von mir geleugnet werden. Dennoch: Seitdem wir es hier nicht mehr allein mit dezenten Angeboten positiver Affirmationsmöglichkeiten, sowie behutsamen Verweisen auf nutzbringendende Gedankenmuster zu tun haben, sondern diese zu unseren Tagen dem Absolut eines zwingend gewordenen Anspruchs weichen mussten, lastet ein enormer Druck auf meinen Schultern. Ich spreche von der Aufforderung, dringendst auf unsere Gedanken zu achten und nur noch Gutes, ergo: nichts Schlechtes mehr zu denken. Denn wir erschaffen, was wir denken. Anders ausgedrückt: Was wir heute denken, ist vielleicht schon morgen Wirklichkeit.

 

Ich fasse zusammen: Der spirituelle Bewusstseinsjünger dieser Tage sieht sich heute allerorts wie unwiderruflich dazu aufgefordert, dringendst auf seine Gedanken zu achten und nur noch Gutes, auf gar keinen Fall aber länger Schlechtes zu denken. Denn: Die innovative Lehre unserer Gegenwart hat wieder einmal druckfrische Erkenntnis für sich ausgemacht - und verkündet seither, dass es niemals so wichtig gewesen sei, Gutes, niemals aber so fatal wie heute, auch nur vereinzelt Schlechtes zu denken. Daraus aber folgt: Wir haben dringendst auf unsere Gedanken zu achten, siehe oben.

 

All dies, um diese Welt endlich zu einer Besseren zu machen (mittels unserer Gedanken), ihr in eine verheißungsvolle Zukunft zu verhelfen (mittels unserer Gedanken) und nicht zuletzt, um uns zu diesen Tagen der gesteigerten Verantwortung eines Mitschöpfertums als weise wie verantwortliche Schöpfergötter zu erweisen (mittels unserer Gedanken). Alternativ können wir auch von erneut aktivierter Eigen- und/oder Selbstmacht sprechen, die uns allesamt von den Himmeln höchstpersönlich übertragen wurde. Tatsache scheint: Wir sind für mündig erklärt. Gott hält uns für erwachsen. Von nun an gibt niemand mehr Acht, was wir denken. Von nun an hält niemand mehr eventuellen Schaden begrenzt. Zu schade auch.

 

Und schließlich wird verkündet, dass all unsere Manifestationen [die tatsächlich niemals einem anderen Prinzip folgten, nebenbei] heute einer stetig zunehmenden, unwiderruflichen Zeitbeschleunigung unterliegen, die unseren Gedanken immer unverzüglicher Realität folgen lassen. Nicht nur daher sind wir kaum noch imstande, so mitgelieferte Erklärung, unsere Manifestationen zu revidieren, wie es uns beispielsweise noch vor einem guten Jahrzehnt möglich gewesen sei. Was jedoch zweifelsfrei bedeutet, dass unsere Gedanken zu diesen Tagen nicht ganz ungefährlich sind. Ein Hinweis, der es mir allerdings nicht wirklich leichter macht.

 

Seitdem ich also mit diesem überaus wesentlichen, unermüdlich aufgefrischten Appell konfrontiert worden bin, nur noch Gutes, ergo keinesfalls Schlechtes mehr zu denken, habe ich ein Problem. Man könnte auch sagen: Seitdem mir zu Ohren gedrungen ist, wie fundamental wichtig es ist, ausschließlich positiv zu denken, ist es mir unmöglich geworden, positiv zu denken.

 

Und wieder einmal ist es die spirituelle Praxis, die mich eines unbedarften Gottvertrauens beraubt und mir dafür Bewusstsein schenkt. Ich muss ihr wohl dankbar sein.

 

Ich denke, also bin ich. Und ganz bestimmt bin ich spirituell. Daher möchte ich mir die Aufforderung, nur noch Gutes, daraus folgt: nimmermehr und nie wieder Schlechtes zu denken, auch unbedingt zu eigen machen. Ganz sicher ist es nicht so, dass ich nicht auch im Vorhinein bereitwillig wie wiederkehrend verschiedentliche Impulse aufnahm, die mich anhielten, meine Lebenswirklichkeit durch Überprüfung jeweilig zugrundeliegender Überzeugungen sowie Gedankenmuster mehr und mehr zu optimieren. Ich befand mich sozusagen auf dem Weg gen himmlischer Wahrheit, als auch der schrittweisen Anerkennung ihrer ausschließlichen Herrlichkeit. Nix da – die Parole unserer Zeit gebietet mir "Umkehr". Denn heute bewege ich mich nicht mehr in Richtung Gottvertrauen oder in Richtung schrittweise anerkannter Herrlichkeit aller Wahrheit. Eigentlich beschäftige ich mich mit solchen Dingen heute überhaupt nicht mehr. Heute habe ich eigentlich nur noch Angst.

 

Doch der Reihe nach:  Da ich die akute Erkenntnis über Wichtigkeit und zwingende Notwendigkeit eines keimfreien Denkens als uneingeschränkten Fortschritt unseres ansteigenden Bewusstseins begreifen möchte, will ich ihr zweifelsfrei Folge leisten. Anders ausgedrückt: Ich bin ein spiritueller Mensch. Und wenn sich der spirituelle Mensch zu diesen Tagen aufgefordert sieht, nur noch Positives zu denken, werde ich eben nur noch Positives denken. Wie besagt: Ich bin ein spiritueller Mensch.

 

Und außerdem: Für den Ruin kollektiver wie individueller Realität will ich schon mal gar nicht verantwortlich sein. Nein, ich möchte mir nichts zuschulden kommen lassen. Vielmehr möchte ich auf jeden Fall und ganz bestimmt alles richtig machen. Schließlich bin ich spirituell. Siehe oben.

 

Hingegen gestaltet es sich keineswegs einfach für mich, diesem neuen Wissen unverzüglich Umsetzung angedeihen zu lassen. 

 

Im ersten Schritt stehe ich somit fraglos vor der Schwierigkeit herauszufinden, was gut und was schlecht, was positives und was negatives Denken überhaupt bezeichnen will. Hatte ich mich bis hierher noch an dem Grundsatz orientiert, dass jegliche Bewertung menschengemacht sei, beliebig umkehrbar wäre, als auch vorderstes Kennzeichen einer imaginären Dualität - einer Dualität, die schlussendlich restlos von uns überwunden werden wolle - bin ich nun vollends gewillt, mein Bewusstsein auf den aktuellen Stand zu bringen. Ohne Zweifel bin ich zu diesem Zweck aufgefordert hinzuzulernen: Die Dinge sind folglich doch nicht an und für sich wertneutral. Es geht scheinbar doch nicht um eine zunehmende Urteilslosigkeit wie wertfreie Akzeptanz aller Dinge. Und es scheint wider Erwarten auch nicht darum zu gehen, zu begreifen, dass es tatsächlich überhaupt nichts Schlechtes gibt. Sondern dass im Tatsächlichen alles gut ist. Nein, ohne Zweifel habe ich mich getäuscht. Und zwar drastisch. 

 

Die Dinge sind demnach doch wertig und stehen sich unvereinbar gegenüber. Es gibt demnach doch gut und schlecht. Und darüber hinaus sind wir sogar angehalten, diese beiden tunlichst und hübsch säuberlich voneinander getrennt zu halten. Dies, um nachfolgend nur noch das eine, niemals mehr wieder aber das andere zu tun. Geschweige denn zu denken. 

 

Und noch etwas habe ich dazugelernt: Angst scheint also doch berechtigt. Etwas, wovon ich tatsächlich schon lange nicht mehr ausging. Vielmehr hatte es mich lange gekostet, Angst als die große Illusion irdischen Bühnenstücks einzusehen. Nun gut, auch hier Pustekuchen. Dennoch befürworte ich es sehr, auf eigene Irrtümer frühzeitig hingewiesen zu werden. Schließlich bin ich spirituell, ich erinnere. Und in dieser Eigenschaft liegt mir an tatsächlicher Wahrheit wirklich alles.

 

Um erwünschtem Klassenziel jedoch gleichfalls Genüge zu leisten, sprich: fortan nur noch Gutes, niemals mehr wieder aber Schlechtes zu denken - denn wie gesagt möchte ich mich keinesfalls für den Rückschritt dieser Welt verantwortlich zeichnen und verspüre gleichermaßen nur verhaltene Lust, mich irgendwann meiner persönlichen Hölle gegenüber zu sehen - vertiefe ich meine Überlegungen. Schließlich gelange ich zu der Einsicht, dass positives Denken all das bezeichnen möchte, was ich will, negatives Denken an dieser Stelle jedoch nur all dasjenige meinen kann, was ich nicht will. Die Sache ist klar: Folgend muss ich das negative Denken eindeutig von dem positiven Denken abgrenzen und genau definieren, womit ich es jeweils zu tun habe. Ich muss herausfinden, wo und wann ich Gutes, und wann und wo ich Schlechtes denke. Denn nur so kann ich sicher sein, letzteres nicht zu denken. Niemals mehr. Nie wieder.

 

Da ich mir zeit meines Lebens jedoch ausschließlich Gedanken darüber gemacht habe, was ich will, stehe ich nun zweifellos vor der Aufgabe, ebenfalls Gedanken darüber anzustellen, was ich nicht will. Ich meine, wir sprechen hier immer noch von Bewusstsein. Wenn ich aber nicht weiß, was es ist, das ich so tunlichst nicht gutheißen, geschweige denn denken soll, dann kann ich es auch nicht nicht gutheißen, noch viel weniger nicht denken. Vor allem nicht bewusst. 

 

Ich fahre unverzüglich fort: Was ist es, das ich nicht will? Um mir diese Frage ausreichend zu beantworten, und damit wirklich sicher zu gehen, jegliches negative Denken in naher Zukunft vollständig zu eliminieren, erstelle ich im Geiste eine Liste all dessen, was ich nicht will. Ich bin mir sicher, dass dieses Vorgehen als effektiver Anstieg meines gegenwärtigen Bewusstseins bezeichnet werden darf, denn hierüber habe ich mir tatsächlich noch niemals vorher Gedanken gemacht. Sobald ich meine Aufstellung für diesen Moment aber vollständig wähne - was durchaus ein paar Tage in Anspruch nimmt, gibt es doch schließlich so vieles, das ich nicht will - kehre ich zu der ursprünglichen Ausgangsüberlegung zurück. Im zweiten Schritt wird es nun darum gehen, gesamte negative Aspekte, die ich mir eben so sorgfältig erdacht, von nun an nicht mehr zu denken. Genaugenommen: Nie mehr.

 

Frisch ans Werk: Ich bemühe mich umgehend wie aufrichtig, dieser Aufforderung hier und jetzt gerecht zu werden, und denke nochmals alles, was ich nicht denken will. Alles richtig gemacht? Einen Augenblick – ich denke, was ich nicht denken will, hier scheint ein Haken. Ich versuche es nochmals. Und wieder: Ich denke, was ich nicht denken will. Tatsächlich kann ich nichts und niemand anderes mehr denken. Urplötzlich beschleicht mich Angst. Warum denke ich, was ich nicht denken will? Das, was ich niemals denken sollte noch jemals zuvor dachte? 

Ich mache Versuche, in Gang gesetztes Karussell zu stoppen, kann aber nicht einmal mehr von ihm abspringen. Meine Befürchtungen verstärken sich: Was, wenn es nun stimmt, dass sich das, was wir denken, umgehend zu manifestieren sucht? Immerhin möchte ich hiervon ausgehen, denn schließlich war es mein unbedingtes Vertrauen in die spirituelle Erkenntniskraft unserer Tage, die mich diesem Pfad überhaupt erst folgen ließ. Anders ausgedrückt: Würde ich nicht davon ausgegangen sein, dass an dieser Sache auch nur irgendetwas dran wäre, hätte ich sicher nicht versucht, von hier an nur noch positiv zu denken. Allerdings weiß auch dieser Einfall meine Situation kaum zu verbessern. Und beschert mir leider keine positiven Gedanken.

 

Seither aber denke ich, was ich nicht denken will. Und zwar nur noch. Und frage mich verzweifelt, warum es mir unmöglich geworden zu sein scheint, einfach zu denken, was ich denken will. Doch alle meine Bemühungen, endlich wieder zu denken, was ich einst dachte, und nicht mehr zu denken, was ich nie denken wollte, sind vergeblich.

 

Kennt ihr die Geschichte vom rosanen Elefanten? Stellen wir uns ganz einfach vor einen guten Freund und erzählen ihm fortdauernd, dass er an alles, aber nicht an einen rosanen Elefanten denken solle. Tatsächlich erprobte Feldstudie ergibt, dass im Vergleich zum völlig unangeleiteten Probanden jene Testperson proportional viel häufiger an einen rosanen Elefanten denken muss, die angehalten wird, daran nicht zu denken. Wer sich hier wundert, der hat den aufrichtigen Selbsttest noch vor sich. Wenn wir dem "Denke nicht an einen rosanen Elefanten" nun noch hinzufügen "Wenn du das tust, wird etwas ganz Schlimmes passieren", lässt sich beschriebene Wirkweise unter Umständen sogar noch geringfügig verstärken. Keine Scheu – probieren wir es aus, wir werden uns nur Freunde machen.

 

Dennoch will ich mir ganz nicht sicher sein, ob derlei kausale Zusammenhänge bei dem Rat berücksichtigt wurden, einzig nur noch Gutes, keinesfalls aber länger Schlechtes zu denken. Dies allein, um heute sicher zu sein, morgen auf gar keinen Fall Schaden zu erleiden. Sondern um morgen endlich und auf ewig glücklich zu sein. Meine Güte wie glücklich bin ich gewesen! Und zwar gestern.

 

Tatsache ist immerhin, dass ich seit diesem Tag ich an nichts anderes mehr denken kann als an das, an was ich nicht denken will. Dennoch bin ich nach wie vor überzeugt, dass dies lediglich den ersten Schritt hin zum vollkommenen positiven Denken darstellt. Schließlich hat niemand gesagt, dass es sich gelebte Spiritualität leicht macht. Die Möglichkeit eines Auswegs habe ich dennoch hierin gefunden: Auch ich verbreite nun den innovativen Erkenntnissatz, nur noch Gutes, nicht aber länger Schlechtes zu denken, selbstverständlich mit dem unentbehrlichen Verweis auf Risiken und Gefahren. Und schaue dann, wie andere mit dieser Herausforderung umgehen. Denken tue ich indessen nur noch Schlechtes. Ich kann leider nichts anderes mehr denken. Aber beruhigend zu wissen, dass dies nun viele andere ebenso tun. Unser geeintes Bewusstsein und die gekonnte Programmierung der Schöpfung können der Zukunft dieser Welt schließlich nur nutzbringend sein. Zumindest dann, wenn wir diese Sache endlich in den Griff bekommen haben.

 

Mein psychologischer Berater indessen spricht von einer Zwangsneurose. Es ist offensichtlich, dass er schlicht keine Ahnung von spiritueller Bewusstwerdung hat. Denn was, wenn ich nicht positiv denke? Nicht auszudenken. Herr über meine Gedanken – ich dachte, dass ich es einst gewesen wäre.

 

Mein Leben dagegen folgt unverändert ruhigen Bahnen und lässt bis hierhin nichts befürchten. Vielleicht sieht die Wahrheit ja doch anders aus? Unter Umständen könnte sich hier sogar Erlösung verbergen.