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Spirituelle Bedingungssätze  

 

Also eines möchte ich hier jetzt einmal endgültig klarstellen: Wir Spirituellen haben unsere eigene Logik. Okay?

Komme uns daher auch bitte niemand mit diesem ungeliebten Wörtchen 'Widerspruch'  - wir können es einfach nicht mehr hören... Zumal nicht aus unseren eigenen Reihen. Wir müssen doch zusammenhalten, oder nicht?

In der Tat stehen wir spirituellen Bewusstseinsjünger einem nicht unerheblichen Dilemma gegenüber: Denn einerseits sind wir bereit, fürwahr & wirklich ALLES [ich wiederhole und buchstabiere sorgfältig: A-L-L-E-S] für unsere schnellstmögliche Bewusstwerdung, unsere uneingeschränkte Erkenntnis und/oder für unsere zeitnahe Errettung aus diesen barbarischen Breiten zu tun [was wohl irgendwie mit unserem Bewusstsein zusammenhängen will], aber andererseits wollen wir uns so bewusst denn eigentlich überhaupt gar nicht werden... Ich meine, ein bisschen bewusst ist schon in Ordnung, aber so richtig und voll und ganz? Nee, nee - und vor allem: wozu?

Anders ausgedrückt: Zwar sind wir bereit, ALLES, tatsächlich ALLES für unser rasant voranschreitendes sowie sich zügig entwickelndes Bewusstsein zu tun, und nehmen uns daher auch jede, selbst nur irgendwo am Rande aufgeschnappte Lehrdoktrin unbedingt & auf der Stelle zu Herzen - aber den damit verbundenen Arbeitsaufwand der Auseinandersetzung, Erkenntnis und ausgewogenen Stimmigkeit, den hätten wir gerne so gering wie möglich gehalten. Ist doch vollkommen legitim, oder nicht?

Aus diesem Grund aber führen wir vielerlei Erkenntnissatz, den wir persönlich als verstanden deklarieren oder dessen Wichtigkeit bzw. Richtigkeit wir ohne explizite Aufforderung hier & sofort einsehen möchten, mit Vorliebe selbständig ad absurdum. Und zwar solange, bis wir selbst nix mehr kapieren. Dann aber können wir endlich darin übereinkommen, dass es eigentlich überhaupt nix zu kapieren gibt! Denn wisse: Alle Wahrheit ist subjektiv, Interpretations- & Auslegungssache - und dehnbar ist sie sowieso. Logik und gesunder Menschenverstand? Pah, haben wir schon längst vor die Tür gesetzt. Meint: Überstiegen - und zwar zugunsten unfehlbarer Geisteswelten. 

Basteln, stricken, dehnen und weiten seien demnach jederzeit erlaubt - vor allem dann, wenn es um den beileibe so herausfordernden Handarbeitskurs "Bewusstsein und Einsicht" gehen will. Compreendido?

 

 

jetzt auch als Audiofile:  linkto: audiofile

 

 

 

 

Spirituelle Bedingungssätze

 

 

Ich liebe bedingungslos, ich vertraue bedingungslos, ich schwinge bedingungslos das Zepter meiner Eigenmacht und nicht zuletzt höre ich bedingungslos auf die Stimme meines Gefühls. Ganz wie es sich für das spirituell verständige Wesen unserer Gegenwart gehört. Und dass es sich in meiner Person um ein ebensolches handelt, das will ich ohne jeden Zweifel wie inbrünstig meinen. Also liebe ich bedingungslos, vertraue ich bedingungslos, schwinge bedingungslos das Zepter meiner Eigenmacht und höre bedingungslos auf die Stimme meines Gefühls. Nun gut, vielleicht zeige ich mich nicht in allen aufgezählten Punkten ganz und gar bedingungslos. Zumindest noch nicht. Aber ich liebe, vertraue, schwinge das Zepter meiner Eigenmacht und höre auf die Stimme meines Gefühls. Und zwar unter exakt folgenden Bedingungen:

 

- Wenn ich schon bedingungslos liebe, dann möchte ich bitteschön bedingungslos wiedergeliebt werden. Im mindesten aber möchte ich davon ausgehen können, dass ich wenigstens in näherer bis fernerer Zukunft mit der unzweifelhaften Erwiderung meiner bedingungslosen Liebe rechnen kann. Und dass man sich insbesondere in dieser Hinsicht keinesfalls immer allzu sicher sein sollte, davon weiß meine kontinuierliche Erfahrung unwiderlegbar Zeugnis abzulegen.

 

Bedingungslose Liebe, die nicht erwidert wird, tut jedoch weh. Mir zumindest. Ich meine, es ist wirklich nicht schön, sich bedingungslos hinzugeben, um daraufhin bedingungslos auf die Nase zu fallen. Oder sieht das jemand anders?

 

Da ich im Laufe meiner unzähligen Inkarnationen, hier und anderswo, jedoch immer wieder mit dem Umstand konfrontiert worden bin, bedingungslos zu lieben und dem von mir Verehrten lediglich bedingungslos auf den Senkel zu gehen, haut das mit der bedingungslosen Liebe für mich nicht hin. Zumindest noch nicht.

 

Ganz abgesehen davon, dass ich es als mittlere Frechheit empfinde, dass meinem anmutigen wie werten Wesen scheinbar wieder und wieder sowohl Hinz als auch Kunz vorgezogen werden. Ich glaube tatsächlich, dass diejenigen, die mich eigentlich bedingungslos lieben sollten, mich schlicht bedingungslos ärgern wollen.

 

Damit aber erweisen sie sich meiner Liebe auf keinen Fall würdig. Unter gar keiner Bedingung sogar. Denn, ohne Frage beherrschen sie was nicht? Richtig, die bedingungslose Liebe.

 

Doch wie heißt es? Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich spreche von einem hochstehenden Wesen verständiger Natur - wahlweise ein allwissender junger Gott oder auch Brad Pitt - von einem weisen Wesen, das darum weiß, dass es völlig unmöglich ist, etwas anderes zu leisten, als mich überaus bedingungslos zu lieben. Und zwar ganz egal, ob ich es meinerseits bereits zuvor gleichermaßen bedingungslos liebte oder unter Umständen gerade anderweitig beschäftigt war.

 

Derart begriffene Naturen habe ich bisher jedoch lediglich in höherliegenden Sphären ausgemacht. Meint, in den Himmeln und jenseitigen Reichen, den Welten der aufgestiegenen Meister, Geister, Engel und Götter. Da Wesen dieser höherliegenden Welten jedoch vermögen, was hiesige Dimension keineswegs vermag –  sie scheinen tatsächlich alle und jeden Menschen bedingungslos zu lieben, und damit auch mich – tue ich es ab hier an den himmlischen Meistern, Geistern, Engeln und Göttern gleich. Und liebe von nun an gleichfalls bedingungslos. Die Wesen der höherliegenden Welten natürlich, nicht die Menschen. Die Menschen mag ich nicht.

 

Zudem viel erfreulicher, um bedingungslose Liebe zu buhlen, wenn mir mein Erfolg umso sicherer ist. Auf die bedingungslose Liebe anderer bin ich aber nach wie vor angewiesen – denn mich selbst bedingungslos lieben - ein Rat der himmlischen Meister gleichfalls wie meines Psychologen - keine Ahnung wie das nun wieder gehen soll.

 

In diesseitiger Dimension indessen liebe ich nur noch. Zudem ausschließlich den, der mich zuerst liebt. Und sich somit adäquat begriffen im Sachverhalt der bedingungslosen Liebe erweist wie ich. Ich meine - wer bin ich denn?

 

Wer mich aber nicht bedingungslos liebt, den hasse ich bedingungslos. Womit auch diese Thematik wieder stimmig für mich wäre. Das kosmische Gleichgewicht befindet sich weiterhin im Lot. Zumindest das meine.

 

 

- Wenn ich schon bedingungslos vertraue, dann möchte ich bitte sehr nicht den geringsten Zweifel darüber behalten, dass ich auch allen Grund hierzu besitze. Vertrauen ist sehr gut, Kontrolle ist keine Lösung, ich weiß – aber ein kleiner Vertrag, der sich über alle relevanten Punkte äußert, müsste immerhin drin sein. Schließlich möchte ich keinerlei Nachteil erleiden. Vor allem dann nicht, wenn ich mich schon dazu durchgerungen habe, bedingungslos zu vertrauen.

 

Nehmen wir zum Beispiel die Jenseitigkeit: Die himmlischen Meister sagen, wir kämen ein jeder in den Himmel. Denn tatsächlich seien wir ausnahmslos weise, göttliche wie auserlesene Wesen, die sich der Herrlichkeit des Himmels allesamt wert erweisen. Aber ich meine – kann ich ihnen in diesem Punkt wirklich bedingungslos vertrauen? Und wenn ja - unter welchen Voraussetzungen, sprich Bedingungen, darf ich ihrer Aussage unbedingt vertrauen?

 

Denn eines erscheint mir sicher: Irgendeine geringfügige Gegenleistung werden sicher auch sie erwarten. Wenn sie mich jedoch schon dazu aufrufen, ihren Worten schlicht bedingungslos zu vertrauen, dann müssen sie mir schon einen klitzekleinen - aber gebührend handfesten - Beweis erbringen, dass sie in dieser Angelegenheit tatsächlich Recht behalten werden.

 

Etwas schwierig, keine Frage, aber durchaus möglich. Wie wäre es beispielsweise mit einem bescheidenen, an mich persönlich adressierten Einschreiben von meiner gesamten, bereits verschiedenen Ahnenreihe, dass es ihnen durchweg gut gehe, sie ausnahmslos im Himmel Quartier bezogen hätten und darüber hinaus äußerst wohl behandelt würden? Meine Adresse müsste jenseitigen Gefilden jedoch hinreichend bekannt sein. Zumindest dann, wenn es stimmt, dass sie alles wissen, wie sie sagen – noch so eine Sache, die sie behaupten.

 

Also bitte, wenn ihr Wahrheit sprecht – wenn ihr Wahrheit sprecht -, dann liefert mir bitte ausreichend Fundament für mein künftiges Vertrauen. Unter dieser Bedingung werde ich auch gerne bedingungslos vertrauen. Ansonsten kann ich leider nicht vertrauen. Schon gar nicht bedingungslos. Wie auch?

 

 

- Wenn ich schon bedingungslos das Zepter meiner Eigenmacht schwinge, dann möchte ich bitte auch zweifelsfrei wie unwiderruflich zugesichert bekommen, dass ich alles und jedes richtig mache. Rückwirkend und zukünftig, gestern und heute, vor allem aber morgen. In jedem Moment meines selbstermächtigten Tuns. Denn ohne dies kann ich nichts tun. Überhaupt nichts. Ich bitte um Verständnis.

 

Denn ohne Zweifel lautet hier die Frage: Wie soll ich mich bitte auf meine Eigenmacht berufen, wenn mir keiner sagt, was richtig ist? Es leuchtet ein, dass ich derlei Entscheidungen - Entscheidungen über mein Tun und allenfalls über mein Sein - keinesfalls eigenmächtig treffen kann. Vor allem dann nicht, wenn ich in den Himmel kommen möchte, siehe oben. Und irgendeinen Haken muss diese Sache mit meiner Eigenmacht schließlich haben.

 

Mittlerweile glaube ich, besagten Haken auch ausgemacht zu haben: Denn sofern ich mich tatsächlich vollständig wie selbstermächtigt in die Arme meines eigenmächtigen Denken und Tuns begebe, entbehre ich zwangsläufig der notwendigen Instanz des wissenden Führers und Lehrers. Wenn ich aber auf mich allein gestellt bin und schlicht tue, was mein ermächtigtes Selbst gerade tun will, werde ich keineswegs immer das Richtige tun. Auf gar keinen Fall sogar.

Ebendies werden die geistigen Welten daraufhin aber sicherlich Argument sein lassen, mir den Zutritt in die Himmel zu verweigern. Eigenmacht hin oder her - ich hätte schlichtweg zuviel Mist gebaut. Und schließlich bedeute Eigenmacht immer noch, vollkommen eigenmächtig das Richtige zu tun - und nicht vollkommen eigenmächtig das Falsche. Wusste ich's doch...  

 

Tatsächlich sind die Himmel natürlich nur voll (ich persönlich habe mich ja schon immer gefragt, wie wir da alle reinpassen sollen) - aber die geistige Welt hätte punktum wunderbares Argument, den verweigerten Zutritt kurzum mit meinem persönlichen Fehlverhalten zu begründen. Und müsste sich selbst nicht Lügen strafen. Ganz schön tricky die da oben. Aber nicht mit mir...

 

Nein, nein, das lassen wir mal schön bleiben. Daher: Meinetwegen schwinge ich das Zepter meiner Eigenmacht, wenn es denn tatsächlich das ist, was ich von heute an tun soll. Da ich auch sonst nicht in den Himmel komme. Allerdings behalte ich mir vor, mir beim Schwingen ein wenig helfen zu lassen. Und zwar von Führern und Lehrern, Gurus und Regenten. Diese sagen mir von nun an jedes Mal, was richtig und was falsch ist. Was das Beste, und was das Schlechteste wäre. Immer. Überall. Genauer gesagt bei jedem meiner geringsten Schritte.

 

Sobald ich aber weiß, was es exakt und genau ist, das ich am Besten tun sollte, fällt es mir auch leicht, es im Anschluss ganz und gar eigenmächtig zu tun. Klappt also. Sogar ganz ausgezeichnet.

 

Und nicht zuletzt sind eigens sie, meine Führer, Lehrer, Gurus und Regenten, der Ansicht, dass ich auf ewig ihrer umfassenden und wegweisenden Hilfe bedarf. Dies allein, um die bedingungslose Eigenmacht mehr und mehr unbedingten Teil meines Wesens sein zu lassen. Ohne sie ginge das aber nicht.

 

Und wenigstens ihnen will ich vertrauen. Und zwar bedingungslos.

 

 

- Wenn ich schon bedingungslos auf die Stimme meines Gefühls höre, dann fordere ich zuvor, dass auch mein Verstand ihm allezeit kategorisch zustimmt. Und zwar bedingungslos. Ich meine – warum sollte ich etwas tun, das noch nicht einmal mein Verstand vermag?

 

Die himmlischen Meister sagen, dass Weisheit und Wissen niemals im Verstand zu finden seien. Sie sagen, der Verstand sei ein begrenztes Werkzeug dieser Realität, das teile und trenne, abwäge und seziere, hinterfrage und zweifle, aber selten erkenne. Ein Ding, das schlicht nicht imstande sei, ein größeres Ganzes einzusehen, geschweige denn, uns mit einer übergeordneten, feinstofflichen Wahrnehmung zu dienen. Und uns derart das Erfahren von Wahrheit, Wissen und Weisheit ewig vorenthalte. Ganz anders aber das Gefühl.

 

Also ich meine, wenn dem tatsächlich so sein sollte – dann hätte mein Verstand für sein angebliches Unwissen aber ziemlich stichhaltige Argumente. Und wo soll er die bitteschön herhaben? Aus der Luft greifen, oder wie? Im Angesicht der Fülle scheinbar aus der Luft gegriffener Argumente bewiese sich mein Verstand allerdings als Experte des Feinstofflichen. Ganz so kann das also folglich nicht sein.

 

Sagen wir so: Ich höre wirklich gerne auf die Stimme meines Gefühls - aber meinen Verstand werde ich deshalb noch lange nicht vor die Tür setzen. Ich wüsste auch gar nicht, wie das gehen soll. Er hört nicht auf mich.

 

Sofern mein Empfinden jedoch fürwahr weiser und wissender ist, dann müsste es meinem Verstand eigentlich einiges erklären können. Auch davon kann ich aber nichts bemerken. Wie ist das beispielsweise mit dem Himmel, in dem sich angeblich alle Wesen nach ihrem Übergang, zwischen den Leben als auch in der Ewigkeit aufhalten sollen? Ich für meinen Teil sehe da nichts. Nun gut, den Himmel sehe ich schon. Aber das war's dann auch.

 

Wo sind denn die ganzen Wesen, die sich eigentlich in genau diesem Moment dort tummeln sollten? Haben sie sich in Luft aufgelöst? In diesem Fall aber wären sie ja gar nicht im Himmel, sondern sie wären tatsächlich gar nicht. Kann also beispielsweise nicht ganz hinkommen, sagt mein Verstand.

 

Und was sagt mein Gefühl? Mein Gefühl sagt - Moment ich lausche - mein Gefühl sagt: "Menschenskind, kann man denn noch nicht einmal im irdischen Dasein seine Ruhe haben? Frag doch den Verstand, der weiß sowieso alles besser." Na bitte, ganz meine Rede.

 

 

Ich bin beileibe ein spirituell verständiger Mensch. Daher liebe ich, vertraue ich, schwinge das Zepter meiner Eigenmacht und höre auf die Stimme meines Gefühls. Gar kein Problem. Aber Bedingungslosigkeit – Bedingungslosigkeit war keineswegs Teil meiner Abmachung. Daran wüsste ich mich zu erinnern. Unbedingt.