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Selbstbilder  

 

Die Spiritualität kann nicht nur hervorragend heilen - sie kann unter Umständen auch kurzfristig traumatisieren. Woran wir selbst im Zweifelsfall nicht ganz unschuldig sind. 

Wenn nämlich beispielsweise geistliche Eminenz & Kardinalpriester soundso, der sich hier und heute für die kategorische Zusammengehörigkeit von Sexualität, Ehe & Fortpflanzung einsetzt, und somit kompromisslose Ehe- und Sexualmoral vertritt, eines Tages mehr oder minder unfreiwillig in Erfahrung bringt, dass niemand anders als er selbst in zurückliegender Inkarnation den Giacomo Girolamo Casanova gab, wird sein gewohntes Weltbild unter Umständen gehörig ins Wanken geraten. Tatsache aber bleibt: Niemand außer Casanova kann etwas für Casanova. Gleiches gilt für einstiges vergnügtes Tun & Treiben.

Nun gut, ich meine, auch außerhalb der Spiritualität ist das mit dem Selbstbild bereits eine ausreichend diffizile Angelegenheit: Wir brauchen uns lediglich bei Gelegenheit 'Deutschland sucht den Superstar' oder ähnliches sowie dazugehörige Castings zu Gemüte zu führen, und werden recht schnell zu der Einsicht gelangen, dass proklamiertes Selbstbild und Realität nicht immer & in jedem Fall viel miteinander gemein haben müssen ['Sag mal, Du glaubst jetzt aber nicht  wirklich, dass Du singen kannst?'   'Doch.'   'Und was sagen Deine Freunde?'   'Die sagen auch, dass ich singen kann.'   'Junge, Du hast keine Freunde...!!']

Insbesondere die Spiritualität aber wird sich zumeist relativ gnadenlos zeigen, was die Korrektur des von uns so sorgsam kultivierten Selbstbildes betrifft. Tatsächlich wird es sie nur wenig bis überhaupt nicht interessieren, dass wir Jahre der sorgfältigen wie liebevollen Hege & Pflege investierten, um unser Selbstbild zu dem zu machen, was es heute ist: äußerst geschmackvoll, wohlproportioniert und formschön. 

Dennoch sollten wir keineswegs davon ausgehen, dass wir im spirituellen Background ausschließlich geläuterten, wirklichkeitsnahen Menschen begegnen. Merke: Auch wir Spirituellen haben da unsere Tricks. Einmal mehr, wenn der Erhalt und die Generalverteidigung eines aparten Selbstbildes auf der Tagesordnung stehen.

Demnach: Ganz egal, ob es Dir um Wahrheit oder um die uferlose Selbstverherrlichung Deines Ich's gehen will - in beiden Fällen bist Du in der Spiritualität richtig. Goldrichtig sogar!

Sei Dir sicher: "Hier werden Sie geholfen...!" 

 

 

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Selbstbilder

 

 

Ich bin, wer ich denke, der ich sein sollte. Insofern ist das mit dem Selbstbild eine äußerst praktische Angelegenheit. Denn immerhin gewährt mir selbes eine Menge Spielraum meiner persönlichen Selbstbetrachtung. Erinnere: Wahrnehmung ist subjektiv. Deshalb ist es auch keinerlei Problem, mit Hilfe unseres Selbstbildes anzunehmen, wir wären schön, intelligent, interessant und sexy. Nehmen wir beispielsweise mich: Ich bin schön, intelligent, interessant und sexy. Und das stimmt jetzt wirklich. Tatsache ist, dass ein zweiter, dritter oder vierter zwar anderes behaupten können wird, aber – er wird niemals Recht haben. Ich wiederhole: Wahrnehmung ist subjektiv. Nicht aber die meine.

 

Beweis der mir soeben zugesprochenen Raffinesse (s.: ich bin intelligent) stellt darüber hinaus der Umstand dar, dass ich vorrangig Menschen zu meinen Freunden mache, die mir mein Selbstbild bestätigen. Sprich: Menschen, die von mir annehmen, was ebenfalls ich von mir annehme. Und somit Menschen, die ohne jeden Zweifel wissen (und gegebenenfalls auch unter Eid beschwören), dass ich schön, intelligent, interessant und sexy bin. Wen interessiert es, wenn ich es nicht bin? Weiß ja keiner. Siehe: Noch nicht einmal ich selbst.

 

Wer allerdings ernsthaft daran interessiert ist, sein formschönes, jahrelang bewährtes Selbstbild fortwährend aufrecht zu erhalten, sollte ein wenig Acht geben, welche Wege er in seiner spirituellen Beschäftigung beschreitet. Merke: Nicht jede Praxis ist geeignet, um unserem wohlproportionierten Selbstbild auf Dauer angemessenen Rückhalt zu bieten. Solange es uns jedoch gelingt, uns ausschließlich an unsere Interpretationen, Mutmaßungen und persönlichen Überzeugungen zu halten, werden wir auch weiterhin viel Freude mit unserem Selbstbild haben. Und diese Freude - mittels einigem Geschick und dank ausgesuchter spiritueller Praxis - sogar unter Umständen noch um einiges steigern können.

 

Der schöne, intelligente, interessante, sexy und gleichfalls spirituelle Mensch kann somit jegliche Erkenntnis, die er im Rahmen seines spirituellen Engagements erwirbt - nehmen wir beispielsweise Reinkarnationen, Sternensaat oder aber geistige Hierarchien - wunderbar in geeigneten Dienst seines Selbstbildes stellen. Er wird daher herausfinden - meint interpretieren, mutmaßen und ureigene Überzeugung sein lassen - dass er in einem früheren Leben vorzugsweise Kleopatra gewesen sei, hiernach als Albert Einstein inkarnierte und schlussendlich für zwei, drei Leben den Planeten wechselte, um auf dem Mars frische Luft zu schnuppern. Was selbstverständlich nicht eben einmal jedem Wesen gewährt sein will. Anschließend ging er, zurückgekehrt auf Planeten Erde, als erster oder erste Mister oder Misses Universe in die Geschichte ein. Und hier und heute? Hier und heute ist er eigentlich ganz zufällig da. Genaugenommen ist er von der geistigen Hierarchie gesandt worden – deren oberen Ligen er zweifellos angehört - um diese Welt von Unwissen und Barbarei zu befreien. Ein anspruchsvolles Großprojekt – niemand könnte dies besser wissen als er.

 

Bis hierhin stimmt also alles überein. Besagtes Wesen ist schön, intelligent, interessant und sexy. Und spirituell. Nicht zuletzt seine spirituelle Vita gibt seinem formschönen Selbstbild ausreichend Recht. Daher: Selig die Spiritualität, die uns herausfinden lässt, was wir längst schon wussten.

 

Schon etwas schwieriger wird das mit unserem formschönen und jahrelang bewährten Selbstbild, wenn ich mittels spiritueller Theorie und Praxis etwas tiefer in mein Sein und Wesen einzudringen wünsche. In der Tat ließe sich auch diese Klippe gefahrenlos umschiffen, wenn ich nämlich schlicht imstande wäre, mein Selbstbild tapfer und wacker gegen jeden Widerstand zu verteidigen. Eine gehörige Portion Selbstvertrauen, Härte, Robustheit sowie ein ausgeprägtes Ego stehen uns zu diesem Zweck allezeit wie unentwegt zur Seite. Aber: Ich sprach davon, dass ich schön, intelligent, interessant und sexy wäre. Ich sagte nicht, dass ich robust, hart und voller Selbstvertrauen sei. Und mein Ego? Nun ja, es ist schlicht und einfach in manchen Fällen etwas bequem (sicherlich eine kaum nennenswerte Schwäche von ihm). Und lässt mich daher kaum selten im Stich, wenn es darum geht, stichhaltige Argumente zu finden, weshalb Tatsache ist, dass ich so bin, wie ich denke, dass ich sein sollte.

 

Dennoch der Reihe nach: Nicht nur, dass ich schön, intelligent, interessant und sexy bin, als auch in keiner Weise robust, hart und ganz wie vollkommen von mir selbst überzeugt – ihr durftet mich bis hierher schon sehr gut kennen lernen - nicht doch, bis vor kurzem nahm ich ebenfalls an, dass ich ein soziales, überaus mitfühlendes, aufopferungsvolles und politisch korrektes Wesen wäre.

 

Ich sagte: Bis vor kurzem. Denn vor kurzem beging ich einen gravierenden Fehler: Ich suchte ein medial versiertes Wesen auf, um es für mich in der Akasha-Chronik lesen zu lassen. Zur Erklärung: Die Akasha-Chronik ist eine gewaltige Datenbank der Ewigkeit, eine Art Mega-Gedächtnis der Welt. Gewissermaßen ein feinstofflicher 'Super-Computer', in dem sich alles und jedes gespeichert findet, was auf der Erde jemals geschehen ist. In dem alles aufgehoben ist, was beliebiges Wesen jemals gedacht, gefühlt, gesagt und/oder getan hat. Exakt und detailgetreu. In dieser 'Weltenchronik' sind somit die Erfahrungen, das Wissen und Bewusstsein aller irdischen Existenzen enthalten, die sich jemals auch nur kurz-, mittel- oder langfristig auf diesem Planeten aufgehalten haben. Folgerichtig findet sich in besagter Akasha-Chronik jedoch nicht nur das gesammelte Tun und Wirken jeden Seins dieses Planeten – sondern vor allem auch das gesammelte Tun und Wirken meines Seins. Und zwar von Anbeginn der Zeiten bis hier und heute. Äußerst interessant nachzulesen, kann ich Euch sagen - insbesondere wenn es um Bestätigung unseres eigens proklamierten Selbstbildes geht. Jedes Medium aber wird uns diesen Dienst gerne erweisen.  

Behalten wir nachfolgend bitte unbedingt im Gedächtnis, dass sich in besagter Chronik Tun und Wirken x-beliebigen Wesens aufgezeichnet findet, und wir hier demzufolge mit einer schier unglaublichen Menge von Daten und Informationen zu tun haben – dieser Punkt wird sich noch als äußerst relevant erweisen.

 

Mein Anliegen mit Besuch genannten Mediums war tatsächlich, meinem Selbstbild erneuten Auftrieb zu verschaffen, denn mittlerweile langweilte ich mich geringfügig mit dem Wissen, Kleopatra, Einstein, Mister oder Misses Universe und schließlich Marsianer gewesen zu sein. [Jawohl, angeführte Beispiele waren keineswegs zufällig gewählt – ich war das.] Ich brauchte tatsächlich neue Frische, um Formschönheit weiterhin Formschönheit sein zu lassen, und nicht zuletzt um meinen repräsentativen Pflichten nach wie vor ausreichend selbstherrlich gerecht werden zu können. Angeführtes Medium aber fand weder Kleopatra, noch Einstein, noch Mister oder Misses Universe, und auch nicht meine Zeit auf dem Mars in meinem Werdegang verzeichnet. Dafür fand sie anderes.

 

Ich bin mir mittlerweile sicher, dass sie schlicht die Akten verwechselte. Erinnern wir wie erbeten: In der Akasha-Chronik findet sich nicht allein mein Tun und Wirken, sondern gleichwohl dasjenige allen Seins und Wesens – von Anbeginn der Zeiten bis hier und heute. Wie leicht kommt man in dieser Fülle von Akten und Daten aber durcheinander. Was besagtes Medium allerdings demhingegen in meiner Akte zu finden meinte – ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll. 

 

Gedenke: Ich bin schön, intelligent, interessant und sexy. Bis vor kurzem war ich zudem sozial, überaus mitfühlend, aufopferungsvoll und politisch äußerst korrekt. Wie soll dies nun bitteschön damit übereinstimmen, dass ich in vergangenen Inkarnationen angeblich belogen und betrogen, verraten und intrigiert haben soll? Passt nicht zusammen? Sage ich ja. Sie muss ohne Zweifel die Akte von einem anderen Wesen gegriffen haben. Es gibt ja auch wirklich zu viele von ihnen. Vielleicht war vorliegende Akte die von Sascha Krost, von Saskia Katharina Rost oder vielleicht auch von Saskia Kost. Ich habe keine Ahnung. 

 

Dennoch habe ich in der Zwischenzeit recherchiert. Ausgiebigst. Überall. Weltweit. Ohne Ausnahme. Lassen einem ja keine Ruhe, diese unverfrorenen Vorwürfe.

Und siehe da: Es gibt eine Saskia Kost. Genaugenommen eine einzige – in Lappland. Ich habe mir vorgenommen, sie bei Gelegenheit telefonisch zu kontaktieren und ihr von ihren unglaublichen Schandtaten zu berichten. Mir bleibt leider keine andere Wahl - ist es doch für unsere seelische Evolution von übergroßer Bedeutung, dass wir uns selbst in die Augen blicken, Verantwortung übernehmen, uns als Täter anerkennen und unser persönliches Selbstbild Tatsächlichem entsprechend korrigieren. Und ich meine zu wissen, dass werte Frau Saskia Kost in Lappland in dieser Hinsicht ein überdeutliches Defizit hat. Nicht nur, dass sie von ihren Missetaten bisher bestimmt nichts weiß, nein, sie schiebt sie darüber hinaus auch noch mir in die Schuhe!

 

Meine mediale Beraterin indessen spricht, dass es häufiges und weit verbreitetes Phänomen wäre, dass wir uns selbst als das genaue Gegenteil von dem erachten, wer oder was wir tatsächlich seien. Ein Trick der Selbstwahrnehmung motiviert seitens des Ego. Nun gut, ich meine - erzähle ich ihr, dass sie in Wahrheit ein Mann wäre? Ganz offensichtlich ist sie dies nicht. Mir aber soll demnach absolut unklar bleiben, was sie mir hier wiederum gerade weiszumachen versucht. 

 

Mediale Beraterin klärt mich ferner darüber auf, dass unser Selbstbild fortwährend danach verlange, von uns aufrecht erhalten zu werden. Dieses aber realisieren wir, indem wir unsere eigens verleugneten Eigenschaften permanent projizieren. Und somit immer nur bei anderen wahrnehmen, was wir bei uns selbst nicht wahrzunehmen wünschen. Na, bitte, da haben wir es ja. Meine Beraterin projiziert auf mich! Tatsächlich liest sie also aus ihrer eigenen Akte. Ich werde mich bei Frau Saskia Kost in Lappland entschuldigen müssen. Obwohl, bisher weiß sie ja noch gar nichts von ihren angeblichen Übeltaten. Ist vielleicht auch besser so, zu übel diese Taten.

 

Und schließlich berichtet meine mediale Beraterin, dass unsere ärgsten Widersacher und Konkurrenten zumeist diejenigen Wesen wären, die uns unsere verleugneten Selbstanteile andauernd widerspiegeln. Die uns also in Wahrheit ähnlich und recht verwandt seien. 

Nicht zuletzt würden wir jedoch vehement gegen alles und jeden vorgehen, der oder das uns unser gewohntes Selbstbild zunichte zu machen drohe - Tatsachen, die wir natürlich ebenso weit von uns schieben und leugnen. 

 

Also mittlerweile geht mir meine liebe Beraterin wirklich auf den Keks. Merkt sie denn nicht, dass sie andauernd versucht, von sich selbst abzulenken? Ja, ja, immer nur andere zum Buhmann machen, das haben wir gerne. Merkt sie nicht, was für ein kämpferisches, egozentrisches und dominantes Wesen sie tatsächlich ist? Funktioniert ja wohl gar nicht. Ich werde sie auf meine schwarze Liste setzen. Oder am besten gleich erschießen. Und eine Weiterempfehlung kann sie sich auch abschminken. Vielleicht hat sie ja irgendein Problem mit mir, wer weiß. Oder sie hat überhaupt irgendein Problem. Also davon gehe ich jetzt mal im mindesten aus.

 

In der Zwischenzeit spricht meine mediale Beraterin, dass ich tatsächlich ein sehr kämpferisches, egozentrisches und dominantes Wesen wäre. Na toll, kann ich jetzt auch hellsehen oder wie? Dachte ich selbes nicht gerade über sie? Anscheinend projiziert sie schon wieder auf mich. Oder projiziere ich gerade auf sie? Ich blicke hier irgendwie nicht mehr durch. Doch: Woher wusste ich, welche Eigenschaften sie exakt gleich nennen würde? Ist sie hier das Medium oder ich? Aber Moment: Unter Umständen projiziere ich ja nur auf sie, sie wäre ein Medium – und in Wahrheit bin ich das Medium. Also das könnte ich mir unter Umständen noch gefallen lassen.

Dies hieße im Umkehrschluss aber auch, dass sie kämpferisch, egozentrisch und dominant wäre – und nicht ich. Ich bin ja das Medium. Na bitte, stimmt doch wieder. Ich scheine zu begreifen.

 

In einer Sache ist sie aber schlicht zu weit gegangen, Selbstbild, subjektive Eigenwahrnehmung und Projektion hin oder her. So behauptete sie tatsächlich, dass meine Lektion des Mitgefühls faktisch noch ausstehe, ich weder sozial noch aufopferungsvoll wäre, und dass ich auch die 'politische Korrektheit' in vergangenen Inkarnationen zu einem äußerst dehnbaren Begriff gemacht hätte. Na klasse, was soll das jetzt wieder? Doch sie ist noch nicht einmal fertig mit ihren Ausführungen. So spricht sie weiter, dass mir insbesondere Jahrhunderte zurückliegende Zeiten lieb und teuer gewesen wären, da man hier so schön rüpeln, prügeln & Kräfte messen konnte, und ich in diesen Leben mit Vorliebe Kämpfe ausgefochten, gemordet und erschlagen, und mir nicht zuletzt in dieser Ära eine ganze Reihe Feinde geschaffen hätte. So, jetzt reicht's aber wirklich. Das soll sie erst einmal beweisen. Ich wünsche stichhaltige Indizien. Und zwar bevor sie derlei gewagte Anschuldigungen tätigt. Ich fordere genaues Datum, Ortschaft, vor allem aber exakte und sekundengetreue Uhrzeit, zu der diese Taten vermeintlich stattgefunden haben sollen. Ich bin mir ohne jeden Zweifel sicher, dass ich über ein wasserdichtes Alibi verfüge. Bestimmt war ich gerade auf dem Mars oder so. Ganz abgesehen davon, dass ich mich an keines dieser Leben erinnern kann. Ganz im Gegensatz zu Kleopatra.

 

Zum Abschluss gibt sie mir schließlich sinngemäß mit auf den Weg, ich solle mich noch  anstehender Aufgaben annehmen und somit das Mitgefühl erlernen. Womit ich jetzt nun wirklich nichts anzufangen weiß. Steht vielleicht jemand hinter mir? Oder sehe ich etwa aus wie jemand, den sie kennt? Ich weiß einfach nicht, mit wem sie spricht. Ach so, sie spricht ja gar nicht mit mir - sie spricht mit sich selbst. Scheint schon eine vertrackte Sache mit diesem Selbstbild, der Projektion und so weiter, muss ich mich schließlich auch erst dran gewöhnen. Nun gut, ich verzeihe ihr. Schließlich bin ich mitfühlend.

 

Jedem aber, dem etwas an seinem formschönen und jahrelang bewährten Selbstbild liegt, möchte ich dringend nahe legen, spirituelle Theorie und Praxis mit Bedacht anzugehen, sorgfältige Auswahl zu treffen und sich keinesfalls beirren zu lassen. Vor allem nicht von einem Ding, das kurioserweise unter dem Titel "selbstehrliche Eigenschau" läuft. Haltet euch hiervon besser fern, ihr werdet hiernach eurer formschönes Selbstbild vermissen. Welcher Abschied ohne Zweifel schmerzhaft ist.

 

Umsonst war dargelegte Aufklärung trotzdem nicht. So weiß ich heute jedwedem Menschen, der mir sagt, dass ich ein kämpferisches, egozentrisches und dominantes Wesen wäre, erwiesenermaßen zu entgegnen, dass er ausschließlich persönliche Eigenschaften auf mich projizieren würde. Und daher nicht von mir, sondern einzig und allein von sich selbst sprechen würde. Immerhin diesen Punkt habe ich begriffen. 

 

Und noch etwas habe ich aus dieser Sitzung mitgenommen: Nicht nur, dass ich Kleopatra, Einstein, Marsianer und erster oder erste Mister oder Misses Universe gewesen bin – nein, heute weiß ich auch, dass ich ein Medium bin. Habe ich ja schließlich lange genug projiziert diesen Punkt. Ich möchte mich endlich seiner annehmen und unzweifelhafter Wahrheit ins Gesicht schauen.

 

Ich bin, wer ich denke, der ich sein sollte. Und da ich außer schön, intelligent, interessant und sexy endlich ebenfalls sozial, mitfühlend, aufopferungsvoll und politisch korrekt sein sollte, so riet mir meine mediale Beraterin, denke ich einfach kurzum, dass ich es wäre. Und siehe da, schon bin ich es.

 

Mediale Beraterin bin ich heute übrigens auch. Ich habe schließlich alle Berechtigung dazu. Und was den gesamten Rest angeht: Wen interessieren schon subjektive, projizierte Fremdbilder? Niemanden. Ist doch sowieso nichts dran. Meine Güte, ist doch ganz einfach.