|

Bernd
Hückstädt
Wir
Menschen sind in der Lage, die gesamte Menschheit mit Nahrung zu
versorgen. Auf unserer Erde ist genug Platz, dass wir alle
gemeinsam in Harmonie mit der Natur leben können.
Bislang scheiterte das noch am Geld. Das wird sich jetzt ändern.
Unser mörderisches Wirtschaftssystem, das Jahrhunderte lang
Kriege und Naturkatastrophen verursacht hatte, ist jetzt dabei,
sich selbst zu zerstören. Wir alle wissen und spüren das von Tag
zu Tag deutlicher.
Wir Menschen haben jetzt die Wahl, zusammen mit dem alten System
unterzugehen, oder ein neues Modell des wirtschaftlichen
Austausches zu erschaffen, das in Harmonie mit der Natur steht,
nachhaltigen Wohlstand für alle Menschen ermöglicht und damit
die Ursachen von Krieg, Terror und Zerstörung aus der Welt
schafft.
Die
Begegnung
Neulich
hatte ich einen Traum, besser gesagt einen Tagtraum. Ich ging
allein im Wald spazieren und erfreute mich an der Natur. Auf
einmal bemerkte ich, wie jemand leichten Fußes neben mir
einherschritt. Er war etwa zwei Meter groß, von dunkler Hautfarbe
und hatte einen athletischen Körperbau. Bekleidet war er mit
einer Art goldfarbenen Jogging-Anzug. Obwohl er aussah, wie ein
Mensch, schien er nicht von dieser Welt zu sein. Er hatte ein so
freudiges, ja fast schon lustiges Strahlen in seinem Gesicht, das
man auf unserer Erde nur sehr selten findet. Als ich ihn ansah
musste ich spontan lachen. Es war ein herzhaftes, fröhliches
Lachen, pure Freude über den Anblick dieses freundlichen
Begleiters.
"Entschuldigen
Sie bitte, ich wollte Sie nicht auslachen," erklärte ich,
als ich mich wieder gefangen hatte. "Ich bin nur überrascht
von Ihrem plötzlichen Erscheinen."
"Das
geht vielen so auf diesem Planeten," erwiderte er freundlich.
"Die meisten Erdenbürger reagieren so wie Sie, nur einige
wenige laufen erschreckt davon oder werden aggressiv."
"Dann
sind Sie nicht von hier?" fragte ich verunsichert.
"Ich
komme von Joytopia, einem Staat auf dem Planeten Freegaia am Rande
der Galaxis. Durch einen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum bin ich
hier hingelangt. Mein Name ist Goodfriend, Very Goodfriend."
"Wie
haben Sie so schnell unsere Sprache gelernt?"
"Wir
telepathieren gerade miteinander. Wir senden uns unsere Gedanken
und unser Gehirn übersetzt sie in unsere Sprache. Das
funktioniert genauso mit Bildern, Tönen, Gerüchen und Gefühlen.
Sehen Sie...."
Ich
sah gar nichts! Er war verschwunden. Verwundert und tief bewegt
ging ich weiter. Hatte ich mir das eben nur eingebildet? Sollte
ich vielleicht mal zum Arzt gehen? Am Besten ich erzähle
niemanden etwas und vergesse diesen Vorfall so schnell wie möglich.
"Ich
habe Ihnen etwas mitgebracht, ein Geschenk!" hörte ich Very
sagen.
"Wo
waren Sie denn so plötzlich?"
"Ich
war kurz zu Hause um etwas für Sie zu holen."
"Dauert
so etwas nicht Jahre? Ich meine die höchste erreichbare
Geschwindigkeit...."
"Wir
reisen in Gedanken. Gedanken sind bekanntlich frei. Raum- und
Zeit-Grenzen gibt es nur, wenn man sie vorher erdacht hat. Wir
hatten uns früher auch viele Grenzen ausgedacht. Unser begrenztes
Denken hatte unseren Planeten etwa so geformt, wie Ihr jetzt Euren
Planeten formt. Versuche es selbst" – er war inzwischen zum
Du übergegangen – "du siehst mich, weil du denkst, daß du
mich siehst."
Während
er das sagte, kam uns ein Radfahrer entgegen. Er grüßte knapp
und fuhr mitten durch Very durch.
"Verstehst
du jetzt?" fragte Very.
"Ja."
"Ich
habe dir etwas mitgebracht, einen Gedanken."
"Was
für einen Gedanken?"
"Der
Gedanke, dass alles möglich ist, was du dir vorstellen kannst.
Alles , was du denken kannst wird Realität! Alles was du dir wünschst,
wird eintreten, wenn du dir es vorstellen kannst."
"Dann
wünsche ich mir 10 Millionen Euro!"
"Gut"
"Wie?
Gut? Das soll funktionieren? Das kann ich mir nicht
vorstellen!"
"Eben!"
Ich
war beschämt.
"Andere
konnten sich das vorstellen und sind Millionäre geworden. Aber
vielleicht ist es ja gar nicht dein Wunsch, Millionär zu werden.
Was wünschst du dir denn am sehnlichsten?"
"Am
liebsten wäre es mir, wenn alle Menschen reich wären und jeder
das machen könnte, was ihm am Herzen liegt, ohne anderen Menschen
oder der Natur dabei zu schaden."
"Ich
schlage Dir eine Reise vor. Auf unserem Planeten Freegaia haben
wir dieses Ziel bereits erreicht. Du brauchst es dir nur
abzuschauen und auf der Erde zu verbreiten. Das ist unser Geschenk
an euch Menschen."
"Wie
kann ich denn durch das Raum-Zeit-Dingsbums..."
"Stell
es dir einfach vor, ich begleite dich."
Es
war eigenartig. Es schien mir, als ob ich an zwei Orten
gleichzeitig war: während ein Teil von mir weiterhin im Wald
spazierenging, flog der andere mit Very durchs Universum.
Wir
näherten uns einem Sonnensystem und bald schon schwebte sie vor
uns: Freegaia, ein wunderschöner blauer Planet, ganz ähnlich
unserer Erde. Sanft tauchten wir in die Atmosphäre ein und
landeten mitten in einem wunderschönen Park, ähnlich einem
riesigen englischen Garten. Unbeschreiblich schöner Duft wurde
von den Pflanzen ausgeströmt. Ab und zu huschte fast lautlos ein
kleines Luftfahrzeug über unsere Köpfe. Doch da: inmitten der
Pflanzen standen Häuser. Sie sahen nicht aus wie unsere Häuser,
sie fügten sich so in die Natur ein, dass man sie von weitem gar
nicht als Häuser erkannte. Die Menschen, die uns begegneten, grüßten
alle freundlich. Sie schienen glücklich zu sein. Mensch und Natur
lebten in Harmonie zusammen.
"Wie
habt ihr das alles so hingekriegt? Kannst du mir etwas über eure
Technologie sagen?"
"Technologie
war noch nie ein Problem," sagte Very, "das Problem, das
es zu lösen galt, lag im Denken der Bewohner und in der
Wirtschaft. Durch Mangeldenken hatten unsere Vorfahren sich ein
Wirtschaftssystem erdacht, das von Konkurrenzkampf geprägt war.
Inzwischen ist unser Zusammenleben und damit unsere Wirtschaft
geprägt von Überfluss, Reichtum und Liebe zur Natur und allem
was existiert."
Very
gab mir einen kurzen Abriss über die Geschichte auf seinem
Planeten:
Die
Ramofl
"Vor
geraumer Zeit hatten sich einige raubende, mordende Fleischfresser
(Ramofl) immer mehr an die Macht gebracht, indem sie Kraft ihrer
kriegerischen Überlegenheit schwächere Menschen ermordet und
ihrer Lebensgrundlage beraubt hatten. Damit sich die Ramofl nicht
selbst auffraßen, wurden mächtige Gesetzbücher geschrieben, in
denen jegliche Kleinigkeit geregelt wurde. Denn Verstand und Ethik
der Ramofl reichten für ein friedliches Miteinander nicht aus. In
diesen Gesetzbüchern standen aber auch so sinnvolle Anweisungen,
wie "Du sollst nicht töten". Das musste den Ramofl
ausdrücklich gesagt werden! Während den Raubzügen der Ramofl
wurden diese Gesetze entweder außer Kraft gesetzt, oder man
definierte die Gegner als "Wilde", die es zu
missionieren oder auszurotten galt. Nach den Raubzügen führten
dann "humanistische" Ramofl gleiches Ramofl-Gesetz für
alle ein. Damit wurde Stabilität erzeugt und die neuen Machtverhältnisse
einzementiert.
Die
Hauptillusion der Ramofl war das Mangeldenken. Es war scheinbar
nicht genug für alle da. Ihre Lieblingsbeschäftigung war deshalb
der Kampf bzw. Konkurrenzkampf. Es musste Sieger und Verlierer
geben. Da Töten verboten war und die meisten Wilden sowieso schon
ermordet oder missioniert waren, verlagerten ehrgeizige Ramofl
ihre Aktivitäten auf andere Gebiete, nämlich Wirtschaft, Sport
und Spiel. In Sport und Spiel konnten sie auf relativ ungefährliche
Weise ihren Konkurrenzkampf ausleben. In der Wirtschaft hingegen führte
der Ramoflismus zu immer mehr sozialer Ungerechtigkeit. Die Kluft
zwischen Armen und Reichen wurde immer größer.
Auf
Freegaia gab es immer schon Leute, die die Natur beobachteten und
ihre Gesetze zu ergründen suchten. In früheren Zeiten hatte man
sie als Ketzer verbrannt. Als sich aber später ihre Erkenntnisse
militärisch nutzen ließen, wurden sie zu Wissenschaftlern
ernannt. Naturbeobachter, die keine militärisch nutzbaren
Entdeckungen brachten, nannte man Scharlatane und gab sie der Lächerlichkeit
preis. Mit der Zeit wurde das Klima liberaler und immer mehr
Staaten konvertierten zu Demokratien. Kurz vor dem Neuen Zeitalter
begannen sich die Beobachtungen der Wissenschaftler und der
Scharlatane immer mehr zu decken. Man fand Entsprechungen zwischen
den Naturwissenschaften, der Philosophie und den Religionen und
begann sie auf Politik und Wirtschaftslehre zu übertragen.
Man
verglich die Wirtschaft mit der Natur:
Die
Natur produziert Nahrung aus sich selbst heraus und schenkt sie
ihren Lebewesen. Wenn die Natur in Ordnung ist, herrscht Überfluss,
d.h. es ist mehr Nahrung da, als gebraucht wird. Die Nahrung ist
vergänglich und kann nur eine bestimmte Zeit gelagert werden. Und
es gibt keine Zinswirtschaft. Deshalb kommen Pflanzen und Tiere
nicht auf die Idee, mehr zu horten, als sie brauchen. Dadurch gibt
es keine "reichen" und "armen" Tiere oder
Pflanzen. Und noch etwas: Ob und wie hart Tiere für ihre Nahrung
arbeiten, ist von Lebensform zu Lebensform sehr verschieden. Jedes
freilebende Tier verhält sich seinem Wesen entsprechend. Will man
ein Tier in Gefangenschaft zur Arbeit bringen, muss man es ständig
dazu antreiben. Kein Tier würde für ein "Recht auf
Arbeit" kämpfen."
"Die
Nahrung in der Wirtschaft ist das Geld. In der damaligen Zeit
schenkte der Staat seinen Bürgern noch kein Geld. Im Gegenteil,
er forderte sogar noch Steuern von ihnen. Es herrschte kein Überfluss
an Geld, sondern der Mangel war so groß, dass sich die Staaten
jedes Jahr aufs Neue verschulden mussten. Man achtete peinlich auf
die Stabilität des Geldes, damit es seinen Wert auch noch nach
langen Zeiträumen behielt. Es gab Zinswirtschaft, d.h. sowohl die
Guthaben, als auch die Schulden wurden immer höher. Die Bürger,
setzten alles daran, Geld zu horten und anzuhäufen. Die Reichen
wurden immer reicher und die Armen wurden immer ärmer. Und was
die Arbeit betraf: die meisten Bürger verrichteten ähnliche
Arbeiten, die selten ihrem Wesen entsprachen. Obwohl sie diese
wesensfremden Arbeiten nicht gerne taten, hatten sie sich das
Recht auf Arbeit zuvor hart erkämpft. Trotz dieses Rechtes waren
große Teile der Weltbevölkerung arbeitslos. Auf der anderen
Seite herrschte ein Überfluss an Waren- und
Dienstleistungsangeboten.
Die
Wirtschaft verhielt sich damals also genau entgegengesetzt zur
Natur.
Der
Kreislauf von Werden und Vergehen
Wir
mussten nur unsere wirtschaftlichen Gepflogenheiten umpolen und in
Einklang mit der Natur bringen. Diese Erkenntnis war der Schlüssel
zum Neuen Zeitalter!
So
entwickelten wir unser neues Wirtschaftsmodell, das noch heute auf
dem gesamten Planeten praktiziert wird und allen Beteiligten
Reichtum und Glück beschert, die NATÜRLICHE ÖKONOMIE. Joytopia
hat wie jeder Staat auf Freegaia die Geldhoheit. Jeder Staat
produziert sein Geld aus sich heraus und schenkt es seinen Bürgern.
Zunächst hatten Joytopia und die anderen Staaten einen
General-Schuldenerlass beschlossen. Um niemand zu schädigen, überwiesen
die Staaten den Gläubigern das ihnen zustehende Geld. Danach
wurde die Zinswirtschaft abgeschafft. Seitdem haben wir eine
"vergängliche" Währung. Es macht also keinen Sinn,
Geld über längere Zeit zu horten, da es rapide an Wert
verliert."
"Vergängliche
Währung? Bei uns nennen wir das Inflation!"
"Das
Wort Inflation stammt aus dem Sprachgebrauch des alten
Wirtschaftssystems und trifft den Sinn nicht. Wir sprechen von NATÜRLICHER
ÖKONOMIE, d.h. dem natürlichen Kreislauf von Werden und
Vergehen."
"Wie
hoch ist die "Vergänglichkeitsrate" auf Freegaia?"
"Anfänglich
hatten wir etwas herumexperimentiert. Inzwischen haben sich alle
Staaten auf 100% pro Jahr geeinigt. Das heißt, nach einem Jahr
hat das Geld nur noch die Hälfte seines ursprünglichen
Wertes."
"Das
heißt, wenn dieses Jahr eine Brezel einen Euro kostet, kostet sie
in drei Jahren 8 Euro?"
"Wir
unterscheiden zwischen Bewertung und Bezahlung. Die Bewertung
erfolgt in Punkten und bleibt konstant. Die Brezel mit dem Wert
von 1Punkt hat nach 3 Jahren immer noch den Wert von einem Punkt.
Unser
Zahlungsmittel heißt FREE, das bedeutet "Freie
Energie-Einheit". Der FREE wird gekennzeichnet mit der
Jahreszahl. Beispielsweise "FREE 2000". Der Wert des
Zahlungsmittels FREE wird vierteljährlich verändert : Im 1.
Quartal ist 1 Punkt = 1FREE, im 2. Quartal 1,25 FREE, im 3.
Quartal 1,5 FREE und im 4. Quartal 1,75 FREE. Anfang 2001 ist 1
Punkt = 2 FREE 2000 bzw. 1FREE 2001. In der Übergangszeit
zwischen den Jahren werden die Konten in alter und neuer Währung
parallel geführt, ähnlich, wie Ihr das jetzt mit DM und EURO
macht. Die Umrechnungsfaktoren sind kinderleicht zu merken. Sie
stehen im Einklang mit den vier Jahreszeiten und mit der
Musik."
"Mit
der Musik?"
"Ja,
sie entsprechen der natürlichen Obertonreihe, auf der das gesamte
Universum aufgebaut ist. Es sind nämlich Grundton, Terz, Quint
und kleine Septime."
Grundeinkommen
für alle
"Müsst
Ihr dann jedes Jahr neues Geld drucken?"
"Ja,
Bargeld wird jährlich neu gedruckt . Das alte Geld kann im
Folgejahr im Kurs von zwei zu eins umgetauscht werden. Da gibt es
kein Problem."
"Wie
funktioniert das nun im täglichen Leben?"
"Der
Staat schenkt jedem Bürger – gleich welchen Alters – einen
monatlichen Grundbetrag von 1000 Punkten, der die
Lebenshaltungskosten deckt. Eine Mutter mit zwei Kindern erhält
also einen Betrag im Wert von 3000 Punkten monatlich. Dadurch sind
Familien oder Alleinerziehende gegenüber Singles nicht mehr
benachteiligt."
"Gibt
es denn noch Warenkataloge? Die müssten ja jeden Monat neu
gedruckt werden!"
"In
den Katalogen ist immer der Punktwert angegeben. Der bleibt
stabil."
"Dann
muss ich den Preis immer ausrechnen?"
"Nun,
das ist ganz einfach: Wie schon gesagt, haben wir nach einem
Vierteljahr den Kurs eineinviertel, nach einem halben Jahr
eineinhalb und nach einem dreiviertel Jahr eindreiviertel.
Das
klingt für euch vielleicht etwas ungewohnt, aber bedenke, was
alles dafür wegfällt: Steuern, Krankenkasse,
Rentenversicherung..."
"Wieso
das denn?"
"Da
der Staat sein Geld selbst erzeugt, braucht er keine Steuern
einzutreiben. Das bedeutet: keine Finanzämter, keine Buchhaltung,
keine Schwarzarbeit und viel weniger Verwaltung. Der Staat
finanziert soziale Leistungen, wie Gesundheitswesen, Pflege,
Renten, Notfallhilfe usw. Versicherungen und Sozialabgaben sind überflüssig
geworden."
"Wer
arbeitet dann denn überhaupt noch?"
"Es
ist wie in der Natur: Jeder beschäftigt sich seinem Wesen
entsprechend. Wer gerne Brot bäckt, bäckt Brot, wer gerne
musiziert, macht Musik. Manche Bürger üben mehrere Berufe aus,
weil es ihnen Spaß macht, vielseitig zu sein. Andere legen sich
eine Zeit lang auf die faule Haut. Aufgrund der Vergänglichkeit
des Geldes will jeder sein Geld schnell ausgeben und sich dafür
irgendeinen Luxus leisten. Die Wirtschaft – insbesondere
Kleingewerbe, Dienstleistungen und Kunst – floriert bei uns wie
noch nie. Andererseits arbeitet jeder nur soviel, wie es ihm Spaß
macht, deshalb gibt es keine Überproduktion, die die Umwelt unnötig
belastet."
"Wie
haltet ihr es mit dem Umweltschutz?"
"Der
Staat finanziert Projekte zum Umweltschutz. Je nach
Umweltfreundlichkeit werden Industriezweige subventioniert. Die
Erforschung alternativer Energien wird ebenfalls vorangetrieben.
Außerdem wurde das Urheberrecht abgeschafft."
"Was
hat das mit Umweltschutz zu tun?"
"Nun,
alle neuen Ideen und Erfindungen gehören der Allgemeinheit. Stell
dir vor, wir hatten über 100 Jahre damit vergeudet, unsere
Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren anzutreiben. Entsetzlicher
Gestank hatte sich über den Planeten ausgebreitet. In manchen Großstädten
wurden Sauerstoffautomaten angebracht, wo die Leute gegen Geld
frische Luft tanken konnten! Jede Fahrzeug-Fabrik beschäftigte
damals ihr eigenes Forschungs- und Entwicklungsteam, das seine
Ergebnisse geheim hielt oder patentieren ließ. Am Ende ließ man
fast jede einzelne Schraube patentieren. Kein Wunder, dass die
Entwicklung nicht voranging. Nachdem das Urheberrecht abgeschafft
war und jeder seine Ideen und Erfindungen frei verschenkte,
entwickelten wir in wenigen Monaten den Null-Energie-Antrieb! Wie
bei einem großen Puzzlespiel brachte jeder Erfinder und
Entwickler seinen Stein an die richtige Stelle."
Freies
Schenken
"Du
verwendest oft den Begriff "Freies Schenken". Was meinst
du genau damit?"
"Freies
Schenken ist ein wesentlicher Bestandteil unseres
Wirtschaftssystems. Während es früher darauf ankam, möglichst
hohe Gewinne zu erzielen, gilt es beim Freien Schenken mit möglichst
wenig Aufwand sich selbst und anderen möglichst großen Nutzen
oder möglichst große Freude zu bereiten. Dabei ist eine direkte
Gegenleistung nicht erforderlich, weil Nutzen und Freude von
selbst auf den Frei Schenkenden mehrfach zurückfallen.
Ein
gutes Beispiel ist der Frei Schenkende Staat: Er braucht lediglich
die Bank-Computer zu veranlassen, Geld auf die Konten der Bürger
zu überweisen, und schon gibt es keine Armut mehr. Der allgemeine
Reichtum der Bürger fällt automatisch auf den Staat zurück. Der
Staat und seine Bürger sind ohnehin ein und das selbe.
Ein
anderes Beispiel ist das, was ihr Nachbarschaftshilfe nennt: Ein
Freund hilft dem anderen auf dem Gebiet, was er am besten kann,
und was dieser gerade braucht. Oder man hat einen bestimmten
Gegenstand übrig, den ein anderer gebrauchen kann. Wenn man ihn
verschenkt, hat man selbst wieder Platz, und der andere hat den
begehrten Gegenstand. Da Geld sowieso im Überfluss vorhanden ist,
hat es an Wichtigkeit verloren. Wir alle sind freigiebiger
geworden und haben einen riesigen Spaß am Schenken!"
"Wer
macht bei Euch die Dreckarbeit?"
"Durch
die rasante technologische Entwicklung haben Dreckarbeiten stark
abgenommen. Unsere Häuser sind mit Kompost-Toiletten
ausgestattet, die absolut geruchsfrei sind. Alles
Verpackungsmaterial und die meisten Gebrauchsgegenstände sind
kompostierbar. Unsere Häuser werden im Baukastensystem gebaut,
das aus natürlichen Materialien besteht. Schwere und unbeliebte
Arbeiten werden von Maschinen erledigt. Die verbleibenden
unangenehmen Arbeiten werden entweder aufgeteilt oder entsprechend
hoch bezahlt. Schon mancher hat sich mit ein bisschen Drecksarbeit
einen wundervollen Urlaub finanziert."
Finanzierungen
und Geldanlagen
"Apropos
finanzieren – wie könnt ihr große Beträge finanzieren, wenn
das Geld ständig an Wert verliert?"
"Kredite
werden in Punkten vergeben. Der Punktwert bleibt stabil und wird
nicht verzinst. Da die Staaten nicht mehr verschuldet sind und die
Steuern wegfallen, ist der Bedarf an Krediten drastisch zurückgegangen."
"Gibt
es noch so etwas, wie Geldanlagen?"
"Ja,
einmal kann man sein Geld verleihen, also Privatkredite vergeben,
zum anderen kann man sich finanziell an Projekten beteiligen, so
ähnlich wie bei Euch mit Aktien. In beiden Fällen wird nach
Punktwert abgerechnet. Allerdings ist auch der Bedarf an
Geldanlagen zurückgegangen. Schließlich ist jeder jederzeit
versorgt. Man muss also kein Geld mehr anhäufen um schlechten
Zeiten vorzubeugen. Die Angst vor dem Nichtversorgtsein hat sich
aufgelöst. Wir leben alle viel mehr im Hier und Jetzt. Und im
Hier und Jetzt sind wir versorgt. Oft verschenken wir auch einen
Teil unseres überschüssigen Geldes."
"Wirklich?"
"Ja,
wenn jemand ein Projekt plant und noch Geld dazu braucht, schreibt
er einen Rundbrief an seine Freunde. Diejenigen, denen das Projekt
gefällt, unterstützen ihn und schicken den Rundbrief wieder an
ihre Freunde. So kann es sein, dass er reichliche Unterstützung
von Leuten bekommt, die er vorher noch nicht kannte. Wir nennen
das auch Here-and-Now-Finanzierung, Finanzierung im Hier und
Jetzt."
"Und
das funktioniert?"
"Kommt
auf den Menschen und auf das Projekt an. Egotrips lassen sich so
nicht finanzieren. Ihr kennt dies Prinzip als Spenden. Meist
spendet ihr für einen sogenannten guten Zweck, um z.B. Menschen
in Not zu helfen. Bei uns gibt es keine Not mehr, aber es gibt
mehr oder weniger gute Zwecke."
"Und
Ihr seid wirklich so freigiebig?"
"Einige
mehr, andere weniger. Jeder nach seinem Willen. Bedenke, wir haben
das Geld sowieso im Überfluss. Wenn wir es behalten, verliert es
an Wert. Und wir bekommen immer mehr neue Freunde, dadurch dass
wir einander helfen. Wenn wir mal was brauchen, wird uns auch
geholfen."
"Die
Sache erinnert mich etwas an Kettenbriefe und
Schneeballprinzip," bemerkte ich, "ich weiß nicht, ob
das bei uns erlaubt ist. Jedenfalls hat es einen schlechten
Ruf."
"Warum
hat es bei euch einen so schlechten Ruf?"
"Weil
einige wenige Leute auf Kosten vieler anderer reich werden."
"Gilt
das nicht für eure ganze Wirtschaft?"
"Doch!"
"Das
Schneeballprinzip entlarvt euer gesamtes Wirtschaftssystem! Wir
benützen das Schneeballprinzip vor allem um Informationen zu
verbreiten. Es ist die einfachste und schnellste Methode, neue
Informationen unter die Leute zu bringen. Wenn jeder die
Information an durchschnittlich vier Freunde weitergibt, ist nach
16-17 Weitergabe-Generationen eure gesamte Menschheit informiert.
Verstehst du, warum man das Schneeballprinzip in Verruf gebracht
hat?"
"Ich
glaube, mir dämmert’s langsam!"
"Außerdem
hat es noch einen Vorteil: Jeder gibt nur die Informationen
weiter, von deren Richtigkeit und Wichtigkeit er überzeugt ist.
Eure Massenmedien können Euch alles erzählen, was ein paar
Entscheidungsträger bestimmen."
"Es
können aber auch Gerüchte entstehen. Das ist wie bei dem Spiel
"Stille Post", wo einer dem anderen etwas ins Ohr flüstert
und am Ende etwas ganz anderes herauskommt."
"Das
stimmt. Deshalb ist es wichtig, immer auf die Quelle, also den
Urheber zu verweisen. So kann jeder sich bei der Quelle
informieren und dann entscheiden, ob er die Information
weitergibt."
"Wie
soll das gehen?"
"Auf
eurer Erde habt Ihr das Internet. Ist es nicht jetzt schon so,
dass jeder, der etwas bekannt geben will, seine Homepage hat? Es
kann also jeder beim Urheber nachlesen."
"Aber
was ist bei eurer Here-and-Now-Finanzierung denn anders als bei
unserem verpönten Schneeballprinzip?"
"Es
ist die Einstellung zum Mitmenschen und zum Geld. Bei uns geht es
um Freies Schenken. Wir machen anderen ein Geschenk, das helfen
soll, ihre Wünsche und Projekte zu realisieren. Da jeder Geld im
Überfluss hat, das außerdem schnell seinen Wert verliert, fällt
das Schenken leicht. Dazu kommt das Glücksgefühl, anderen
geholfen zu haben. Freust du dich nicht auch, wenn du anderen
helfen kannst?"
"Ja,
wenn ich es ganz freiwillig tue, ganz gleich ob es jemand von mir
erwartet oder nicht, dann fühle ich mich wohl dabei."
"So
ist das beim Freien Schenken. Es ist absolut freiwillig und macht
Spaß."
"Ich
möchte noch etwas über die Here-and-Now-Finanzierung wissen.
Theoretisch könnte jeder ein oder mehrere solche Here-and-Now-
Finanzierungen anleiern. In der Summe müsste sich das dann
ausgleichen."
"Einmal
muss der Zweck für die anderen plausibel sein. Außerdem hat
nicht jeder zur selben Zeit ein großes Projekt, für das er viel
Geld benötigt. Im Neuen Zeitalter betrachten wir das Geld nicht
mehr statisch, das heißt, wir fragen nicht mehr danach, wer wie
viel Geld hat. Das statische Geld verliert seinen Wert sehr
schnell. Im Neuen Zeitalter regiert das dynamische Prinzip. Jetzt
geht es darum, möglichst viel Geld möglichst schnell zu bewegen.
Durch die Bewegung entsteht Wertschöpfung (Ein Haus, ein Auto
oder was auch immer). Außerdem ist nach der Ausgabe das Geld
nicht weg. Es hat nur jemand anders, der es auch wieder so schnell
wie möglich ausgeben will. Dadurch entsteht wieder Wertschöpfung
und so weiter.
Wir
betrachten das ganze sowieso mehr als Spiel."
"Als
Spiel??"
"Ja,
das Geld hat längst nicht mehr den Stellenwert, wie bei Euch. Da
jeder genug Geld hat, kann man niemanden mehr mit Geld zwingen.
Geld ist nur noch ein Motivationsmittel, kein Machtmittel. Alles
ist spielerisch geworden. Arbeit ist Spiel, Handel ist Spiel. Wer
nicht mitspielen will, hat halt etwas weniger Geld zur Verfügung,
aber immer noch mehr als genug zum Leben."
"Gibt
es dann noch so was wie Konkurrenzkampf?"
"Im
spielerischen Sinne ja. Sicher sind manche "Spiele"
erfolgreicher als andere. Aber: Es kann keine wirklichen Verlierer
geben."
"Werden
die "Spiele" vom Staat kontrolliert?"
"Da
der Frei Schenkende Staat keine Steuern kennt, besteht kein Grund
dazu. Überhaupt sieht sich der Staat nicht mehr als
Kontrollorgan, sondern als die Gesamtheit seiner Bürger. Staat
und Bürger sind eins. Insofern hat der Staat nur ein Interesse:
die Interessen seiner Bürger zu fördern."
Der
Übergang
"Jetzt
bewegt mich noch eine wichtige Frage: Wie habt ihr den Übergang
vom alten zum Neuen Zeitalter bewerkstelligt? Wie habt ihr
JOYTOPIA geschaffen? Hat es Widerstände gegeben? War der Übergang
gewaltfrei möglich?"
"Du
erinnerst dich, dass kurz vor dem Übergang die meisten Staaten
schon Demokratien waren. Das war sehr gut so. In einer Demokratie
kann man alles ändern, wenn man die nötige Mehrheit hat. Weißt
du noch, wie auf deinem Planeten sogar in Diktaturen friedliche
Veränderungen vollbracht wurden? Ich denke an Indien oder an die
Wiedervereinigung Deutschlands. In Demokratien ist das noch viel
leichter.
Es
begann damit, dass auf Freegaia einige Bürger die neuen Gesetzmäßigkeiten
entdeckten und zu einem Staatsmodell formten. Dieses Modell des
FREI SCHENKENDEN STAATES nannten sie JOYTOPIA und verbreiteten es
nach dem Schneeballprinzip. Sie schrieben ein Papier und gaben es
an Freunde weiter. Diese gaben Kopien des Papiers an ihre Freunde
und so weiter. Andere verbreiteten den Text in Computernetzwerken.
Das ging dann noch schneller. Der Text wurde in viele Sprachen übersetzt
und in alle Länder verteilt. Nach ca. 16 Weitergabe -
Generationen war die gesamte Bevölkerung informiert. Parallel
dazu begannen Gemeinschaften, Freundeskreise und Vereine die natürliche
Ökonomie zu erproben. In Tauschringen, die damals eine Art
Ersatzwährung hatten, begannen sie den FREI SCHENKENDEN Staat zu
simulieren. Andere erprobten die Here-and-Now-Finanzierung und das
FREIE SCHENKEN im Geschäfts- und im Privatleben. Die Ergebnisse
wurden zusammengetragen und das Modell wurde immer mehr
verfeinert. Als es perfekt war, wurden weltweit Wahlen
veranstaltet. Das Ergebnis war überragend: Der weitaus größte
Teil der planetarischen Bevölkerung entschied sich für das neue
Modell der natürlichen Ökonomie."
"Gab
es auch Widerstände?"
"Ja!
anfänglich hatten viele Leute Angst um ihren Besitz. Die
planetarischen Banken, die die Staatsverschuldung mitverursacht
hatten, versuchten zu sabotieren, wo sie nur konnten. Die
weltweite Aufklärung, die sich vollzog und die Bevölkerung des
ganzen Planeten zum Erwachen brachte, brachte dann auch den
Umschwung: Es begannen selbst Mitglieder der planetarischen
Banken, sich für die natürliche Ökonomie auszusprechen. So löste
sich der anfängliche Widerstand in Frieden und Wohlgefallen
auf."
"Ging
nach der erfolgreichen Wahl dann alles glatt?"
"Natürlich
gab es Anfangsschwierigkeiten. Die standen aber in keinem Verhältnis
zu den Problemen des alten Zeitalters."
"Lieber
Very, guter Freund! Ich danke Dir von Herzen für diese
Informationen! Eine letzte Frage habe ich noch, bevor ich zurückgehe:
Wo genau liegt Freegaia?"
"Eben war es noch auf einem anderen Stern.
Jetzt ist es tief in deinem Herzen. Viel Glück!"
|