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Geliebter Seelenfreund, wo bist Du?  

 

Eine kurze Einführung in das Liebes-ABC des spirituellen Menschen. Merke: Wir suchen nicht irgendeinen profanen, dahergelaufenen Partner, wir suchen DEN Partner! Nämlich unseren Seelenpartner und/oder -gefährten, ohne den wir uns kaum vollständig wähnen. Ach so, und SUCHEN tun wir ja eigentlich überhaupt gar nicht. Nein, wir verlegen uns ausschließlich auf das  FINDEN. Nämlich unseres Seelenpartners und/oder -gefährten, ohne den wir uns kaum vollständig wähnen, usw. - s.o. ... 

Jeder von uns aber hat ein Recht auf Vollständigkeit. Denken zumindest wir Spirituellen. Ganz besonders aber wir verdienen jedwede Vollständigkeit - denken zumindest wir Spirituellen.

Doch nochmals der Reihe nach: Jeder von uns, besser gesagt jedes Seelenwesen, verfügt über ein ergänzendes Gegenstück, wiederum ein anderes Seelenwesen, das gewissermaßen seine vervollständigende Entsprechung ist. Unser Traum von einem Partner sozusagen - so stellen wir uns das zumindest vor - und dieses zauberhafte Pendant gurkt irgendwo hier in diesem Universum herum. Dieses Bewusstsein lässt uns jedoch keine Ruhe...

Mit den Begrifflichkeiten für dieses Etwas indessen - unseren seelischen Traum von einem Mann bzw. einer Frau - sind wir indessen noch ein wenig uneins. Ebenso wie mit einer einheitlichen Betrachtung dieser Thematik. Seelenpartner, Zwillingsflamme, Dualseele, Seelengefährte - keine Ahnung. Inkarniert, nicht inkarniert, zu einer Begegnung bestimmt oder Begegnung nicht vorgesehen - keinen Schimmer. Aber wir wissen, was wir wollen: IHN bzw. SIE. 

Und dürfen somit wahrscheinlich wieder einmal beweisen, dass ebenso wir Spirituellen eigentlich durch & durch menschlich sind. Es jedoch lieben, ebenso unsere vornehmlich unheiligen Bedürfnisse ausführlich in ihrer spirituellen Berechtigung zu begründen.

Daher: Geliebter Seelenfreund, wo bist Du? Ja, wo??

Er kann eigentlich eben nur einmal um den Block gegangen sein. Denke ich mir so. Mittlerweile seit geschlagenen Jahrzehnten...  

 

 

jetzt auch als Audiofile:  linkto: audiofile

 

 

 

 

Geliebter Seelenfreund, wo bist Du?

 

 

Mit dem Seelenpartner ist das so eine Sache. Wobei ich mich, wenn ich von "Seelenpartner" spreche, ausschließlich auf meine Dualseele bzw. meine Zwillingsflamme bzw. meinen ureigenen, ganz persönlichen Seelengefährten beziehe. Ich weiß im Grunde also noch nicht ganz genau, worauf ich mich beziehe - außer dass ich den Einen meine, der ganz allein mir gehört. Aber meine Bezeichnungslosigkeit wird sich ändern. Und zwar bald. Nämlich sobald Er sich - mein wie auch immer – meiner Person entsprechend vorgestellt hat. In diesem Moment werde ich ja feststellen, welche der vorangestellten Begrifflichkeiten er benutzt, um sich mir gegenüber eigens zu betiteln.

 

Es bleibt folglich wichtig, dass ich meinem Seelenpartner begegne. Und sei es im Sinne meines spirituellen Begriffsverständnisses, das, so will ich meinen, unbedingt gleichzusetzen mit dem konkreten Anstieg meines herausragenden Bewusstseins ist. Oder sieht das jemand anders? 

 

Wäre mir jetzt auch egal. Denn Tatsache ist und hiervon unberührt bleibt: Ich persönlich möchte dringendst Bekanntschaft mit meinem Seelenpartner machen. Und somit gleichwohl in Erfahrung bringen, ob ich es hier - bei 'Ihm' - mit meiner Dualseele, mit meiner Zwillingsflamme oder aber mit meinem persönlichen Seelengefährten zu tun habe. Ob 'Er' - derjenige welche - hingegen Klaus, Gregor oder auch Hanswurst heißt, soll mich wenig bis gar nicht interessieren. Aber ein bisschen gut aussehen sollte er schon. Ach ja, und ein 'Er' sollte er bitteschön sein. Ich meine, schließlich bin ich eine 'Sie'. Jeglicher Rest soll mir jedoch mehr oder minder gleichgültig sein. Abgesehen von bescheidenen Mindestvorgaben möchte ich vollkommen unvoreingenommen und offen dasjenige empfangen, was das Universum für mich vorgesehen hat. Also, liebes Universum, bitte gib mir. Und zwar jetzt.

 

Dennoch: Mit dem Seelenpartner ist das so eine Sache. Man hat ihn, oder man hat ihn nicht. Nicht jeder hat ihn. Nun, dieser Sachverhalt ist in der Tat ein wenig diffizil und ich möchte gewiss nicht missverständlich sein: Jeder hat ihn. Und doch hat ihn nicht jeder. Nicht jeder hat ihn nämlich bereits kennen gelernt. Und auch nicht jeder wird ihn kennen lernen. Wohlgemerkt: In diesem Leben.

 

In spirituellen Kreisen gehört es mittlerweile jedoch zum guten Ton, seinen Seelenpartner zu haben, meint, ihn zu kennen. Und zwar in diesem Leben. Genauer gesagt: Hier und heute. Denn an diesem Punkt seiner Erfahrung angelangt zu sein, bedeutet, in der eigenen seelischen Evolution derart fortgeschritten zu sein, dass ich mich reif genug zeige, ab hier an in den gegenständlichen Genuss einer irdisch-handfesten Beziehung mit meinem Seelenpartner zu gelangen. Und fortgeschritten sowie reif sein ist immer gut. Vor allem in spirituellen Kreisen. 

 

Deshalb aber möchte ebenfalls ich meinen Seelenpartner haben. Heißt, ihn unwiderruflich kennen. Und zwar jetzt. Dies allein, um mich anschließend mit ihm für alle Zeiten 'wiederzuvereinen'. Dies ohne Zweifel die von mir angedachte Absicht.

 

Es existieren weitere gute Gründe, die dafür sprechen, dass ebenso ich endlich in unmittelbare Tuchfühlung mit meinem Seelenpartner gelangen sollte. Den ich von dort an natürlich nie wieder aus den Händen lassen werde. Selbstverständlich nicht - auf gar keinen Fall sogar. Zu schwierig gestaltete sich seine Suche, sein Finden und nicht zuletzt sein Erkennen, als dass ich bereit wäre, dieses Procedere auch nur ein einziges Mal zu wiederholen. Das kann wahrhaft kein Mensch von mir verlangen. Noch nicht einmal mein Seelen-dingsbums.

 

Eben angedeuteter, sowie meinen zeitnah verdienten Erfolg definitiv befürwortende Grund, von dem ich hier spreche, ist die Tatsache, dass ich ein wahrhaft hochromantisches Menschenkind bin. Ein hochromantisches Menschenkind also, dem es allerdings bis hierher nicht gelungen ist, adäquates Feld für zweifelsfrei drängend in ihm brodelnde Hingabefähigkeit zu finden. Meint: Ich bin zwar hochromantisch und hingebungsvoll, aber bisher weiß es noch niemand. Außer mir natürlich. Dies wiederum allein aufgrund des Umstands, dass ich noch nicht passendes Pendant gefunden habe. Meint: Mein mich vollends wie endgültig ergänzendes Gegenstück, das mir erlaubt, sowohl hochromantische als auch hingebungsvolle Natur endlich angemessen auszudrücken. Und ebenfalls das soll sich ändern. Und zwar bald.

 

Nicht zuletzt hat eine Fülle spiritueller Literatur in den letzten Jahren den (spirituellen) Markt erklommen, die sich dieses Themas liebevoll an- und mich bei der Hand nehmen. All dies, um mich darüber zu aufzuklären, wie ich "In 37 Tagen zu meinem Seelenpartner" gelange, "Wie ich meinen Seelenpartner finde und ihn erkenne", wie "Meine Dualseele" beschaffen ist und wie ich "Eine erfüllte Partnerschaft mit der Zwillingsflamme" erziele. Diese ganze Angelegenheit kann folglich nicht im mindesten so schwer sein, wie häufig vermutet. Und auch nicht schicksalsgegeben. Es ist folgerichtig allein mein Wille, der zählt. Dies sehe ich gleichfalls dadurch bestätigt, dass jeder meiner spirituellen Gefährten und Genossen seinen Seelenpartner unlängst sein eigen nennt. Sie alle wollten ihn – und siehe: Sie alle haben ihn. Warum also nicht auch ich?

 

Nachdem ich mich daher eine Zeitlang durch angeführtes theoretisches Studium gekämpft hatte, Ritual über Ritual veranstaltete - ihr seht wie wichtig mir dieses ganze Thema ist - betete, bat und visualisierte [sehr zum vorübergehenden Unwillen meines Lebenspartners übrigens, aber dies wollte ich gerne in Kauf nehmen] - jedoch auch nach Tagen und Monaten immer noch nicht die geringste Spur meines Seelenpartners auszumachen vermochte, ging ich schließlich dazu über, Suchanzeigen aufzugeben. Mein sorgfältig ausgearbeiteter Text lautete in etwa so:  

 

"Hans, Otto, Klaus oder Berthold – wie auch immer Du heißen magst, geliebter Seelenpartner, wo bist Du? Bitte melde Dich, es wird Zeit, uns zu vereinen...". 

 

Tatsächlich sollte ich auch eine ganze Reihe Zuschriften erhalten, allerdings ausnahmslos von Männern, die sich Hans, Otto, Klaus oder Berthold riefen - ich erinnere mich zudem, einen Hans-Otto dabei gehabt zu haben, der sich ganz besonders überzeugt davon zeigte, dass wir zweifelsfrei füreinander bestimmt seien. Nun, ja. Ebenfalls nicht zu vergessen die zweideutigen Angebote, die das Wort "vereinen" wohl irgendwie in den falschen Hals bekommen hatten.

 

Was soll's. Fazit blieb, dass sich ebenso diese Methode nicht einwandfrei zu eignen schien, meinen wundersamen, zauberhaften sowie bereits jetzt innig von mir verehrten Seelenpartner in mein Leben zu rufen. Doch Hilfe war nah.  

 

Meine spirituellen Brüder und Schwestern waren es schließlich, die mich darauf verwiesen, dass es viel weniger darum ginge, meinen Seelenpartner zu "finden", als vielmehr darum, ihn zu "erkennen". Mein Seelenpartner konnte sich demnach bereits zu diesem Zeitpunkt in meiner unmittelbaren Umgebung und in meinem direkten Lebensumfeld befinden, nur, dass ich ihn bisher nicht als solchen erkannt hatte. Aber natürlich. Wie konnte mir nur solch folgenschwerer Fehler unterlaufen?

 

Nachfolgend verlegte ich mich also darauf, meine männlichen Freunde und Bekannten allesamt mit Argusaugen zu beobachten und sie daraufhin zu überprüfen, ob sie über beliebige Merkmale verfügten – spirituelle Charakteristika, seelische Attribute, eine neue Dauerwelle - die mir verrieten, dass es sich bei einem von ihnen jeweils um meinen ganz persönlichen Seelenpartner handelte. Meinen gegenwärtigen Lebenspartner konnte ich dank dieses Verfahrens umgehend sowie ohne Schwierigkeit ausschließen. Schließlich ging es darum, sobald wir uns getroffen bzw. - und viel delikater - einander erkannt hätten, uns ab hier an für alle Ewigkeit zu vereinen. Was zwangsläufig auch bedeutet, fortan nie mehr auseinander zu gehen. Dies oder ähnliches hatten wir aber gewiss nicht vor. Was meinen Freund und mich anging, war unsere Beziehung viel mehr als "Lebensabschnittsgemeinschaft" angedacht, und wir konnten uns kaum vorstellen, die nächsten 2 Jahre miteinander zu verbringen. Wie also die gesamte Ewigkeit? Zumal das Wortteil "Abschnitt" in dem Begriff "Lebensabschnittsgefährte" in dieser Thematik ja nun ganz grundsätzlich sowie vollkommen und ohne Ersatz entfallen müsste. Mein Freund und ich waren uns in dieser Sache einig. Nein, er konnte beileibe nicht mein Seelenpartner sein. Etwaige Bestimmung hin oder her. Die Ewigkeit war uns einfach keine Perspektive.

 

Nach einer Weile, in der ich meinen gesamten Freundes- sowie Bekanntenkreis konsequent abgegrast hatte, und mittlerweile kaum noch männlichen Besuch erhielt, da ich jedes maskuline Wesen unmittelbar einem detaillierten Testverfahren unterzog [was meinen Freund dann doch ein wenig strapazierte - die mangelnde Ansprechbarkeit seiner besten Freunde während dieser Prozedur, versteht sich, nicht das Testverfahren selbst, darüber waren wir uns ja einig] - nach besagter Weile musste ich feststellen, dass ich mir eigentlich überhaupt nicht zutraute, meinen Seelenpartner zu erkennen. Denn: Eigentlich wusste ich überhaupt nicht, nach welchen äußeren wie inneren Kriterien ich meinen künftigen Seelenpartner bemessen sollte. Nun gut, er sollte mir geistig verwandt sein und das ausgeprägte wechselseitige Verständnis sollte uns kennzeichnen. Aber traf dies nicht auf jeden meiner noch so entfernten Bekannten wie Freunde zu? Und war es darüber hinaus nicht so, dass ich über ein kaum zu unterschätzendes Ausmaß mir absolut und vollkommen charakteristischer Eigenschaften verfügte, von denen ich bislang noch gar nichts wusste, da mir diese erst die intime Beziehung mit meinem Seelenpartner offenbaren würde?

 

Nein, hier musste ein Fachmann ans Werk. In diesem Fall eine Fachfrau, denn ich suchte ein weibliches Channel-Medium meines Vertrauens auf, eine fachlich äußerst versierte Dame, die mich bereits über Jahre hinweg begleitete. Da es jedoch keinesfalls gestattet ist, Fragen  á la "Wer ist mein Seelenpartner?" zu stellen [ist doch das Universum der Ansicht, dass wir hierauf schon selbst kommen müssten - oder so ähnlich], mussten wir ein wenig tricksen. Ich stellte also eine Reihe von konkreten Fragen wie: "Ist Klaus Müller mein Seelenpartner?", oder "Ist Gregor Tu-nicht-Gut mein Seelenpartner?", oder aber "Wenn es einen Gott gibt - Werner Klein ist doch hoffentlich nicht mein Seelenpartner?" – Fragen, die mir vom Universum auch umgehend gewährt, und somit anstandslos beantwortet wurden.

 

Nach circa einem halben Jahr hatte ich jedoch alle Personen, die ich auch nur im entferntesten als potentiellen Seelenpartner in Erwägung zog, durch. Ich glaube, es begab sich überdies zu dieser Zeit, dass besagtes Channel-Medium ihren heute überbordenden Reichtum erwarb, aber egal - ich wusste nach dieser konzentrierten Suche nicht mehr wirklich weiter. Nun gut, ein weiteres halbes Jahr konnte ich nachfolgend damit überbrücken, dass ich nun ebenfalls die mir am meisten gehassten Menschen als potentielle Seelenpartner in Betracht zog, und ein weiteres Jahr, in dem ich schlicht und einfach alle Menschen abfragte, die ich auch nur irgendwie namentlich zu benennen wusste. Denn: Laut spiritueller Kenntnis muss keinesfalls immer Friede, Freude oder aber die von Anfang an empfundene Innigkeit Grundlage einer Beziehung zwischen zwei Seelenpartnern sein. Dies aus dem einfachen Grund, dass wir uns unter Umständen einfach sehr ähnlich – gelegentlich sogar zu ähnlich sind. (Ich glaube zwar, dies gilt lediglich für die Dualseele, von der wir zudem gleich mehrere haben können, vergleiche 'Seelenfamilie' bzw. 'Seelengeschwister' - im Gegensatz zu unserer Zwillingsflamme, von der wir nur eine haben, mit der wir uns vorwiegend wunderbar ergänzen, und nach der ich, denke ich, auch suche. Doch einerlei – mit den verschiedenen Begriffen komme ich nach wie vor ein wenig durcheinander.)

 

Aber auch unter meinen sorgfältig gehegt und gepflegten Antipathien sowie unter meinen flüchtigen und flüchtigsten Bekanntschaften wurde ich nicht fündig.

Nach rund zwei Jahren intensiver Ausschau nach meinem Seelenpartner also, kam ich demnach nach einer erneut fruchtlos gebliebenen medialen Sitzung nach Hause, befreite meine selbstgehäkelte Seelenpartnerpuppe (Überbleibsel eines Rituals, s.o.), umwickelt mit einem Papierstreifen, auf den ich alle meine Wünsche bezüglich meines geliebten Gefährten in spe notiert hatte – ein langer Papierstreifen – und kam zu dem Entschluss, dass es derart wirklich nicht weitergehen könne. Denn zwingen wollte ich wahrlich niemanden, geschweige denn meinen Seelenpartner. Und überhaupt, eigentlich hätte er sich bereits ebenfalls darum bemühen können, dass wir uns endlich begegneten. Hatte er keine Lust mich kennen zu lernen und sich mit mir wiederzuvereinen? Oder wie durfte ich es bitte verstehen, dass seit besagter Zeit zwar nach wie vor sowie unermüdlich Klaus, Otto, Hans und Berthold bei mir anriefen, nie aber Herr Seelenpartner persönlich? Und überhaupt: Wenn ich mir das so überlegte - eigentlich konnte er bleiben, wo der Pfeffer wächst. Wer bin ich denn? Nein, nun sollte es an ihm sein, mich zu finden und zu erkennen. Und wie es aussieht, konnte dies einige Zeit dauern. Monsieur Seelenpartner schien wohl der Ansicht zu sein, es hiermit nicht besonders eilig zu haben.

 

Dennoch hatte ich mich unverändert jenem Punkt zu widmen, vor meinen spirituellen Brüdern und Schwestern das Gesicht zu wahren. Schließlich haben sie alle ihren Seelenpartner, heißt, sie kennen ihn. Und sind darüber hinaus nahezu ohne Ausnahme mit ihm liiert. Wie also meine Würde bewahren?  

 

Und ja, ich habe eine Lösung gefunden, sogar eine ganz gute, wie ich finde: Ich meine, wenn es für mich, und zwar nur für mich, darum geht, meinen Seelenpartner zu erkennen - aber niemand außer mir - und vielleicht noch ihm - weiß, wen ich als solchen erkenne, dann ließe sich unter Umständen behaupten, dass ich ihn erkannt hätte, und niemand wüsste, dass ich ihn tatsächlich noch nicht erkannt habe. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach.

 

Von nun an unterstelle ich schlichtweg, dass mein jeweiliger Freund mein Seelenpartner sei, und niemand hat Argument dagegen. Denn schließlich kann ihn außer mir ja niemand erkennen. Wäre ja noch schöner, ist ja schließlich mein Seelenpartner. Zumindest theoretisch.

 

Angenehme Begleiterscheinung dieser Methode aber ist, dass mir von nun an ebenfalls wieder Lebensabschnittsgefährten gestattet sind. Kommt mir ganz gelegen, denn ich scheine an einer latenten Beziehungsunfähigkeit zu leiden, wie meine mediale Beraterin meine mittelfristige Fixierung auf meinen Seelenpartner interpretierte. In ihren Augen lediglich Angst, mich auf gegenwärtige wie gegenständliche Beziehungen einzulassen. Wie auch immer, wenn ich nun im halbjährlichen Turnus meinen Partner wechsle - meine Lebensabschnitte folgen nunmal sehr rasch aufeinander - dann kann ich einfach beteuern, dass wir eben festgestellt hätten, dass wir nur Dual- nicht aber Zwillings-Seelen seien. Man kommt ja auch wirklich leicht durcheinander bei diesem ganzen Vokabular. Der neue Partner aber, dieser sei ganz bestimmt meine Zwillingsflamme. Ich fahre ganz gut mit dieser Methode und wähne allmählich, dass sie weitaus verbreiteter ist, als ich einst dachte.

 

In der Zwischenzeit habe ich mein Betätigungsfeld nicht unwesentlich erweitert: Ich suche nun nicht mehr nur nach meinem Seelenpartner - nun gut, eigentlich wollte ich ja nicht mehr suchen, aber das ließ sich von mir nicht konsequent durchhalten - sondern ich suche nun ebenfalls nach meinen Seelengeschwistern, meiner Seelenfamilie, nach meinen Dualseelen. Tatsächlich habe ich noch keinen von ihnen gefunden, dies behaupte ich ja nur, erinnern wir uns - zum Zweck der Rechtfertigung meiner unzähligen Exfreunde, die ich vorübergehend als meine Zwillingsflamme deklarierte.

 

Und glaubt mir oder glaubt mir nicht: Mittlerweile könnte ich mir sogar eine Beziehung mit einer meiner Dualseelen vorstellen. Es muss ja nicht gleich meine Zwillingsflamme sein. Gewiss, ich bin im Laufe der Zeit etwas bescheidener geworden. Diese Suche zermürbt einen aber auch wirklich.

 

Wenn es aber endlich so weit ist und ich entsprechende Partnerschaft mit einer meiner Dualseelen führe – die Chance ist gemäß angestellter Wahrscheinlichkeitsrechnung weitaus höher, dass mir zuerst eine meiner Dualseelen über den Weg läuft, es sind schließlich mehrere - wenn es endlich so weit ist, dann werden wir uns lieben und ehren, einander achten und vertrauen, bis ans Ende unserer Tage. Zu beachten sei lediglich, das sich "das Ende unserer Tage" hierbei keinesfalls auf das Ableben des ein oder anderen bezieht, derlei wie einen "Tod"  die große Illusion des Irdischen, gibt es tatsächlich ja gar nicht – wir spirituell Bewanderten, wir wissen das schließlich. Tatsächlich bezeichnet "das Ende unserer Tage" hierbei lediglich die endlich erfolgte Begegnung mit unserer Zwillingsflamme – unsere Dualseele muss hiernach selbstverständlich weichen und sich mit der zweiten Reihe begnügen.

 

Wenn es aber wie gesagt so weit ist, und ich eine Partnerschaft mit einer meiner, fangen wir klein an, Dualseelen führe, dann werden wir einander lieben und ehren, uns die gegenseitige Treue geloben und unsere Partnerschaft nach Gottes Gebot und Verheißung führen – in guten wie in noch besseren Tagen.

 

 

Heiraten? Nein, heiraten will ich nicht. Mir würde es im Traum nicht einfallen, meine gesamte Konzentration derart auf ein einziges anderes Wesen zu beschränken. Schließlich bin ich spirituell. Und weiß somit, dass Heil und Erlösung niemals in einem anderen, sondern einzig & allein in uns selbst zu finden sind. 

 

Es sei denn - ja, es sei denn, dass es meine Dualseele ist. Besser noch: meine Zwillingsflamme. Denn tatsächlich könnte ich mir durchaus vorstellen, dass mein Heil und meine Erlösung einstmals zufällig in ihre Aktentasche gerutscht sind. Und seitdem darauf warten, die Wege rechtmäßiger Besitzerin zu kreuzen.

 

Denn warum sonst habe ich mein Heil und meine Erlösung bis heute nicht an meiner Seite?

 

 

Deswegen suche ich sie ja auch. Nicht mein Heil und meine Erlösung. Ach was. Meine Dualseele respektive Zwillingsflamme!

 

 

Und zwar nur sie. 

 

 

Dies dafür aber umso doller...