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Ralf
G. Nemeczek
Schnell,
schneller, am schnellsten. Ziele setzen! Hoch, höher, am höchsten!
Prioritäten setzen! Zeitfresser eliminieren! Effizienz durch
Techniken und Methoden! Dringendes zuerst! Strukturierte
Aufgabenlisten! Bis wann muss es fertig sein? Bis gestern! Stress,
Termindruck. Wenig Zeit, noch weniger Zeit, keine Zeit! Stopp
- falscher Ansatz, sagt changeX-Autor Ralf G. Nemeczek und zeigt
Wege aus der selbst verursachten Sklaverei, hinein in eine
lustvolle Welt der Abenteuer. "Man muss noch Chaos in sich
haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."
Nietzsche hat Recht: Das Chaos ist unsere eigentliche
Inspirations- und Ideenquelle - die Quelle unserer
Lebendigkeit.
Wie
sehr leben wir unser Leben mit dem Gefühl, ständig hinterher
zu sein? Dem gewünschten Kontostand, der gewünschten Wohnung,
dem gewünschten Körper, der ersehnten Harmonie und Stabilität.
Manchmal kurz davor, doch selten erreicht. Stabilität, was für
ein wundervolles Wort, was für ein Gefühl der Ruhe und
Sicherheit. Dafür lohnt es sich doch, durchs Leben zu hetzen!
Endhaltestelle Stabilität - wow - das wär's! Endlich durchatmen,
Sauerstoff in unsere Lungen. Apropos Sauerstoff, der
Sauerstoffgehalt der Luft beträgt rund 21 Prozent. Etwas weniger,
und wir würden ersticken. Ein Hauch mehr, und wir würden
verbrennen. Der Zustand unserer Erdatmosphäre ist alles andere
als stabil. Im Gegenteil, sie befindet sich ständig kurz vor dem
Kollabieren. Eine unsichtbare Hand sorgt für einen Zustand der
stabilen Instabilität. Genau das ist der Echtheitsstempel des
Lebens.
Wie oft standen wir selbst schon kurz vor dem Kollabieren?
Vertrauen wir auf diese unsichtbare Hand? Nehmen wir die Echtheit
des Lebens an oder versuchen wir, das Leben zu manipulieren, zu
kontrollieren und in den Griff zu bekommen?
Wenn
Ziele den Erfolg verhindern.
Es
gibt unzählige Möglichkeiten, das Leben manipulieren zu wollen.
Eines der meistgepriesensten Werkzeuge ist das Setzen und
Verfolgen von Zielen. Schließlich konnte ein so großer Denker
wie Seneca nicht irren, als er seinerzeit verkündete: "Wer
nicht weiß, in welchen Hafen er will, für den ist kein Wind der
richtige." Einfacher ausgedrückt: Unser Kopf setzt sich
Ziele und unser Körper rennt hinterher. Doch unser Kopf ist
begrenzt, er kennt lediglich die gespeicherten Erfahrungen aus der
Vergangenheit und kreiert damit Ziele für die noch offene
Zukunft. Ein angespannter Wille, der auf ein Ziel ausgerichtet
ist, wird unser Leben in den Dienst des Ziels stellen und damit
jeglichen Fluss behindern.
Manche
Menschen sind so sehr auf ihre Ziele fixiert, dass sie die Zeit,
in der sie nicht produktiv auf ihre Ziele hinarbeiten, als tote
Zeit bezeichnen. Doch tot ist nur, wer nicht lebt. Dies ist kein
Plädoyer gegen das Setzen von Zielen, sondern ein Plädoyer für
interessante Umwege, spannende Zufälle und spontanes Ergreifen
des Glücks. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob wir uns in
unseren selbst gesteckten Zielen gefangen halten oder freudvoll in
unserem Boot sitzen, frei nach dem Motto: "Für den, der
gerne segelt, ist jeder Wind ein guter Wind."
Wenn wir
denken, dass wir zu wenig Zeit haben, dann werden wir immer zu
wenig Zeit haben. Und weil wir denken, dass wir zu wenig Zeit
haben, müssen wir unsere Zeit sorgfältig managen und aufpassen,
dass wir uns nicht verzetteln. Und so lernen wir Techniken und
Methoden für unsere eigene Sklaverei. Wir trennen zum Beispiel
zwischen wichtig und unwichtig, zwischen dringend und nicht
dringend und nageln unsere Tagesabläufe damit fest. Wir tun so,
als ob wir wüssten, was wichtig und dringend ist.
In
Wirklichkeit setzen wir diese Prioritäten, um finanziell
erfolgreich zu werden, um uns Dinge kaufen zu können, die wir
nicht wirklich brauchen, um Menschen zu beeindrucken, die wir
nicht wirklich mögen. So ist das mit dem "Um-zu", wenn
wir Dinge tun, nur um Geld zu verdienen, nur um zu beweisen, wie
Recht wir haben, oder um gut dazustehen, bestimmt das "Um-zu"
unser Leben und macht uns taub für die Stimme der Intuition.
Unsere Intuition sagt uns permanent, ob jetzt die richtige Zeit für
etwas ist oder nicht. Wenn wir denken, dass wir genug Zeit haben,
dann werden wir immer genug Zeit haben. Immer für das, was uns
mit Freude erfüllt und worauf wir spontan Lust haben. Spontaneität
ist das Fehlen von inneren Widerständen. Hätte Beethoven seine
brillanten Symphonien mit inneren Widerständen geschrieben?
Sicher nicht. Er war im Fluss, er war im Flow.
Das
Chaos vermeiden und leiden.
Ohne
Chaos kein Flow. Wer versucht, das Chaos zu vermeiden, entscheidet
sich für das Leiden als lebenslange Beschäftigung. Wer sich fürchtet,
sucht die Sicherheit, und das Verlangen nach Sicherheit produziert
Furcht. Wer sich dem Chaos stellt, der wird früher oder später
herausfinden, dass er selbst das Chaos vor seiner Nase geschaffen
hat. Wir alle erschaffen das Chaos mit dem, was wir getan, und mit
dem, was wir nicht getan haben. Darum gibt es auch keinen Anlass,
sich als Opfer zu fühlen oder die Schuld auf andere zu schieben.
Geben wir unsere Verantwortung ab, haben wir keine Chance, das
Chaos zu nutzen und lieben zu lernen.
Warum
neigen wir dazu, die Verantwortung abzugeben? Weil nicht immer
alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, weil wir nicht alles
unter Kontrolle haben. Wir übernehmen gerne die Verantwortung für
die erfolgreichen, gewünschten und erzielten Ereignisse, doch bei
den scheinbaren Misserfolgen und vermeintlichen Rückschlägen
sind wir lieber frustriert, verärgert oder wütend. Wut bedeutet
so viel wie: "Ich bekomme meinen Willen nicht!" Ja, wir
haben nichts unter Kontrolle, unser Leben ist unkontrollierbar.
Und so neigen wir dazu, das Kind mit dem Bade auszuschütten:
"Ich habe die Geschehnisse in meinem Leben nicht unter
Kontrolle, dann übernehme ich auch keine Verantwortung dafür."
Die
Alternative liegt im Umarmen der scheinbaren Widersprüche: Wir können
voller Engagement etwas anstreben und gleichzeitig alles dem
Universum überlassen. Wir können uns dem Leben voll und ganz
hingeben und gleichzeitig unser Leben aktiv und verantwortungsvoll
gestalten. In diesem Kontext erschaffen wir unser eigenes Chaos
und wollen es auch gar nicht anders haben. Wir lieben unsere
Verantwortung und lieben unser Leben am Rande des Chaos. Das Chaos
ist unsere Inspirations- und Ideenquelle, die Quelle unserer
Lebendigkeit.
Um die
Gefahr des Absaufens im Chaos zu vermeiden, nehmen viele Menschen
lieber einen festen Standpunkt ein und tun so, als ob das Chaos
weit hinter ihnen läge. Keine Inspiration, keine Beweglichkeit,
keine Vision, keine Neugier, keine Abenteuerlust, kein Leben. Oder
wie Albert Einstein es ausdrückte: "Der Horizont vieler
Menschen ist ein Kreis mit dem Radius null - und das nennen sie
ihren Standpunkt." Statt Neues zu erschaffen, streiten sie
lieber mit anderen Standpunktstehern darum, wer auf dem richtigen
Standpunkt steht. Sie kämpfen und verteidigen. Ja nichts
riskieren, ja nicht doof dastehen - doch sie tun es unentwegt.
ADD
- Action, Discovery, Design.
Aus
Angst, Fehler zu machen, halten wir unsere Füße still, unseren
Mund geschlossen und unsere Lebensgeister zurück. Doch wer
entscheidet, was ein Fehler ist und was nicht? Diejenigen mit
festgefahrenen Zielen und Plänen? Die Zieler und Planer dieser
Welt? Diejenigen, die hinterher den ein oder anderen genialen
Fehler beim Patentamt anmelden?
Es gibt
Fehlschläge, die wir zunächst als schlecht ansehen und die sich
später als ein Geschenk des Himmels herausstellen. Das konnte der
Kopf nicht wissen, er konnte nur bewerten und planen. Zum Beispiel
verlieren wir einen Kunden. Ein halbes Jahr später geht dieser
Kunde Konkurs, und wir hätten ein halbes Jahr ohne finanziellen
Ausgleich gearbeitet. Das Leben schenkt uns immer wieder eine Fülle
an Gelegenheiten und Ereignissen.
Wir können
freudvoll und phantasievoll am Leben teilnehmen, indem wir immer
wieder in Aktion gehen, neugierig entdecken, was funktioniert, was
uns Freude bereitet, und entsprechend das Design überarbeiten.
Dieser spielerische Prozess ist die natürliche Alternative zu
festgefahrenen Plänen und linearen Vorgehensweisen.
-
Tun
Sie, was Sie tun möchten, es gibt keine tote Zeit.
-
Lassen
Sie sich von Ihren Plänen inspirieren und nicht einschränken.
-
Seien
Sie zufrieden, der Prozess ist nie zu Ende.
-
Lassen
Sie sich von Ihren Zielen ziehen und nicht versklaven.
-
Machen
Sie lieber einen miserablen Anfang als gar keinen.
-
Seien
Sie auch dankbar für die unangenehmen Ereignisse in Ihrem
Leben.
-
Haben
Sie Spaß und fügen Sie Ihrem Leben immer wieder etwas Neues
hinzu.
-
Setzen
Sie sich ein übergeordnetes Ziel, das Sie jeden Tag erreichen
können: Leben!
Es
gibt keine Harmonie - das ist Harmonie. Check
it out!
Ralf
G. Nemeczek
ist Autor des Kultbuches Abenteuer Business, Berater und Vortragsredner.
www.fun-economy.de
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