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Wie
las ich noch vor kurzem in einem Interview mit Helmut Dietl [...es sei
zugestanden: in der
Bunten - jawohl, ich gebe zu, dass People Magazines ganz und gar zu von
mir favorisierter Lektüre zählen und als breitangelegte
Inspirationsquelle kaum unterschätzt werden sollten ]:
"Komödien
zu machen ist der Ausdruck einer Verzweiflung. Komödien sind die Waffe,
mit der man sich wehrt gegen eine beschissene Welt. Ich glaube, die
einzigen, denen es wirklich gut geht, sind die Tragiker."
Wie
auch immer - und ob richtig, oder ob falsch, oder aber unter Vorbehalt. Tatsache ist, dass
insbesondere auch im spirituellen Anspruch Theorie und Praxis nicht
selten zwei ungleiche Schwestern sind.
So
begegnen uns hier oftmals Menschen, die zwar offen und gerne von
Bewusstsein sprechen und unter Umständen weiterhin weite Teile ihres
Lebens der Bewusstwerdung dieser Welt verschrieben haben - ein Umstand, der
[und dies meine ich zur Abwechslung absolut aufrichtig und ernst] schon
ganz für sich alleinstehend allen Respekt und jede Anerkennung verdient
- dennoch müssen wir nicht davon ausgehen, dass "nach geklärtem
Bewusstsein streben" immer und unbedingt deckungsgleich mit
"geklärtes Bewusstseinerlangt zu haben" zu sein hat.
Anders ausgedrückt: Nicht alles, wo 'Bewusstsein' draufsteht, ist letztlich auch Bewusstsein
drin.
Zum
einen liegt dies sicher daran, dass der Mensch nach wie vor Mensch ist,
und somit zwangsläufig ebenso im spirituellen Kontext mit (s)einem
limitierten Bewusstsein zu kämpfen hat, als auch darüber hinaus
unbedingter Teilhaber eines Massenbewusstseins ist, dass so viele
Irrtümer kennt, wie die Sahara Sandkörner zählt.
Ich
für meinen Teil unterscheide gerne zwischen 'Spiritualität' und
'spiritueller Praxis'. Während das eine
die ewig gültige & sich fortwährend erweiternde Wahrheit
beschreibt, ihr erwachendes Bewusstsein und einen voranschreitenden Weg
der Erkenntnis, muss das andere, die
spirituelle Praxis, nicht zwangsläufig und in jedem Fall naturgetreues
Abbild & Spiegel dieser Wahrheit bedeuten. Sondern versteht es
vielmehr, auch all jenem Raum zu geben & das viele mit in sich
aufzunehmen, das vielleicht am passendsten als "logischer Irrtum",
"partielles Defizit", "traditionsreiches Missverständnis" oder eben auch
als "praktischer Anwendungsfehler" bezeichnet werden darf.
Ganz
bestimmt soll es niemanden geben, weder heute, noch morgen, noch
übermorgen, der festlegt und uns diktiert, was wir als richtig zu erachten
haben, und was als falsch. Wo wir meisterhaft ins Schwarze trafen - und wo kilometerweit daneben. Niemand soll darüber richten, ob wir uns
spirituell nennen dürfen oder nicht, und niemand soll Aussage über
unseren individuellen Bewusstseinsstand treffen. Und dennoch: Wenn es
dort niemanden gibt außer uns selbst, keine Instanz, keinen Richter,
keine Statuten, die uns Richtwert sind und wir zeitgleich von einem behauptet innigen Wunsch nach
wirklicher Wahrheit & unverklärtem Bewusstsein beseelt sind - ist
es da nicht angebracht, den Anspruch an uns selbst so hoch wie möglich
zu halten? Uns in Selbstkritik & der fortwährenden Inventur unserer Absichten zu üben? Unsere Wahrheit kontinuierlich
auf den Prüfstand zu stellen?
Und
wenn wir uns darüber hinaus zusätzlich zur Aufgabe machen, uns nicht
nur um unser individuelles, sondern auch um ein kollektives
Bewusstsein und seinen Anstieg verdient zu machen - und in dieser
Hinsicht wiederum den Kolumbus wie Che Guevara gleichzeitig geben - ist in diesem Fall nicht
noch einmal mehr größte Sorgfalt,
alle Bedacht & innige Verpflichtung gegenüber tatsächlicher Wahrheit angesagt?
Eine
der fundamentalsten & zugleich herausforderndsten Einsichten ist
sicherlich die Erfahrung, dass sich Erkenntnis nicht beibringen lässt.
Tatsächlich lässt sich noch nicht einmal der aufrichtige Wunsch nach
Einsicht vermitteln. In dieser
Sache ist so viel Freiwilligkeit erfordert & unumstößlicher
Spieleinsatz, wie kaum in irgendeiner anderen Angelegenheit sonst. Damit aber steht und fällt
jeglicher Anspruch auf Wahrhaftigkeit mit unserem selbstehrlichen
Verlangen nach ihr.
Und
doch sind es gerade diese uneinheitlichen Selbstansprüche, die
unterschiedlichen Umgangsweisen mit einem erhabenen Begriff wie dem des
'Bewusstseins', sowie eine viel zu häufig mangelnde Kritikfähigkeit, die
einen im
Kontext spiritueller Praxis schier zum Verzweifeln bringen können. Denn: Wie
will ein spiritueller Ansatz dieser Welt zu geklärtem Bewusstsein
verhelfen, wenn er selbst nicht geklärt ist? Wie möchte eine
spirituelle Praxis das Begreifen lehren, wenn sie selbst nicht begriffen
hat?
Wenn
es aber nicht das zunehmende Bewusstsein, die voranschreitende Einsicht
& Erkenntnis sowie das erhellende Verständnis sind, die diese Welt punktum zu einer besseren,
weiseren &
angenehmeren machen können, dann wüsste ich nicht, was es dann
könnte.
Ich habe lange damit zu tun gehabt, mich in
spirituellem Background von Menschen umgeben zu sehen, die zusammengenommen für die
Begriffe "Bewusstsein", "Wahrheit" und/oder "Erkenntnis" zwei Milliarden
unterschiedliche Interpretationen & Auslegungen kennen, um diese
denn auch wechselweise und entsprechend nach Tagesverfassung jeweils routiniert Anwendung finden zu lassen. Und
dennoch nehmen wir alle für uns in Anspruch - längst per Du & bestens
befreundet mit zwei Milliarden unterschiedlichen Ansätzen - auf der
Suche nach der "Einen Wahrheit", den "Ewig und immer gültigen
Gesetzen" und "Universellen Erkenntnissen" zu sein...
Ich
habe lange damit zu tun gehabt, die spirituelle Praxis als 'Jongleur der
tausend Widersprüche' in der Manege auftreten zu sehen - ein Jongleur,
der sich bestenfalls zum Clown, gelegentlich aber leider auch schlicht zum Affen macht. Hantierend mit
besagter Vielzahl von Widersprüchen, um diese dennoch nicht
zum Anlass für die Arbeit an betroffener Thematik zu nehmen,
sondern diese Widersprüche vielmehr friedlich Seite an Seite koexistieren,
und sich freiheitlich ihres Daseins erfreuen zu
lassen.
Ich
betone: Niemand
von uns ist vollkommen, niemand ist allwissend und niemand ist
unfehlbar. Darum geht auch überhaupt nicht. Wir alle sind
Individuen mit einem unantastbaren Recht auf unsere Einzigartigkeit.
Die
Frage lautet daher auch nicht, wer ist wie vollkommen, wie wissend und
wie unfehlbar, sondern: Nach wie viel individueller Vollkommenheit, nach
wie viel Wissen & tatsächlicher Erkenntnis, nach wie viel Wahrheit
streben wir persönlich? Und wie viel der aufrichtigen Selbstehrlichkeit
sind wir bereit, hierfür in Kauf zu nehmen?
Niemand
außer uns selbst, der uns eine Beantwortung dieser Frage abnehmen
könnte.
Aber
vielleicht könnte es sich ab & an äußerst heilsam und einend
ausnehmen, dass es nicht unsere Individualitäten & Einzigartigkeiten
sind, die uns trennen, und uns in spirituellen Belangen so häufig zu
unterschiedlichem Ergebnis kommen lassen, sondern vielmehr unterschiedlicher
Selbstanspruch sowie ein uneinheitlich ausgeprägter Wunsch nach
tatsächlicher Erkenntnis.
So
lange ich mit benannten Phänomenen spiritueller Praxis konfrontiert
gewesen bin, so lange habe ich auch nach Worten und Wegen gesucht,
meinen Gedanken und Empfindungen geeigneten Ausdruck zu verschaffen.
Kritik, Ärger und Belehrung sind keine geeigneten Werkzeuge.
Dies musste ich begreifen.
Geblieben
sind mir indessen die wundersamen Mittel des Humors, der Ironie und des
vereinzelten Sarkasmus. Und ja, ich fühle mich wohl damit. Und
schließlich darf nun geraten werden: Was ist dran an diesen (Wider)Sinnen?
Was ist Dichtung, was Realität? Wo finden wir Fiktion, wo tatsächliche
Erfahrung? Ich
sage nur soviel: 'Narrenfreiheit' ist vielleicht üblicherweise kein in
der spirituellen Praxis häufig verwendeter Begriff - und dennoch ist
sie unter Umständen allgegenwärtig... Wie
sagt Dietl? "Ich glaube, die einzigen, denen es wirklich gut geht,
sind die Tragiker." Wenn ich mir das so recht überlege, bin
ich, denke ich, ein wenig anderer Meinung. Denn
wie gut kann man es sich gehen lassen, in engem Schulterschluss mit Humor, Ironie und
dem gelegentlichem Sarkasmus. Ein Lustspiel, in das vielleicht sogar
verschiedener Beteiligte Eingang sucht, und somit Zuhörer findet, wo
der unversöhnliche Kritiker vor leeren Reihen sitzt. Verbunden mit der
Einsicht, nicht da zu sein, um die Dinge zu anderen machen, sondern um
sie schlicht & einfach zu sehen, wie sie sind. Und
vielleicht reicht allein der unverstellte, unbemühte Blick, der auf den
erhobenen Zeigefinger ganz & gar verzichtet, diese Welt eines Tages
zu gänzlich anderen zu machen. Ihr zu einer geklärten Variante ihrer selbst
zu verhelfen & Beobachter ihres eigenen, freiwilligen Wandels zu
sein. In
diesem Sinne: die (Wider)Sinne!
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