Weder Fisch noch Fleisch
Ein nettes Experiment ist, einem Menschen ein undefinierbares Etwas in die Hand zu geben, und ihn damit zu beauftragen, eine persönliche Beziehung zu diesem Unding aufzubauen. Er wird es in der Regel nicht schaffen, bevor das Unbekannte keinen Namen hat. Als erstes wird er daher versuchen, es zu definieren und zu kategorisieren, mit Bekanntem vergleichen, und es schließlich sezieren und auseinander nehmen. Solange, bis er dem Ding einen Namen geben kann. Zumeist wird er es erst anschließend lieben können.
Tatsache ist: Wir haben fortwährend den Drang, uns ein Bild von dieser Welt zu formen. Es entspricht einer grundlegenden Eigenschaft des Menschen, die eigene Umwelt erfahrbar und vorhersehbar zu machen, und das potentielle Risiko jedes Exotischen so gering wie möglich zu halten. So lauter dieses Vorgehen auch ist, stellt sich einzig die Frage, wem wir im Zweifelsfall den Vorzug geben - unseren gewohnten Parametern oder aber der unleugbaren Vielgestaltigkeit einer Welt.
Solange wir unsere Definitionen bedingungslos unseren Erfahrungen unterstellen, und sie uns lehren lassen, diese Welt immer wieder mit neuen Augen zu sehen, beschreiten wir einen gesunden & nützlichen Weg. Dies bringt mit sich, unser Weltbild andauernd expandieren zu lassen und unsere Begriffsbestimmungen dort auszudehnen, wo uns bis dato Unbekanntes gegenüber steht. Niemals nämlich ist es an dieser Welt, sich unseren engen Rastern unterzuordnen, sondern es ist an uns, unsere Vorstellungen behutsam an die Weiten des Möglichen zu gewöhnen.
Überwiegend beschreiten wir jedoch den umgekehrten Weg und lassen das Motto "quadratisch, praktisch, gut" über uns regieren. In dieser Weise passen wir nur selten unsere üblichen Termini einer gegebenen Vielfalt an, sondern degradieren selbst noch die Unendlichkeit zu einer definierten Maßeinheit. Wir verlieren uns in den beengten Stallungen unserer vertrauten Betrachtungsweisen und verschließen unsere Augen vor dem Facettenreichtum jedweden Ichs. Unser Horizont bleibt derweil beschränkt und überschaubar, denn was wir nicht kennen, macht uns nicht selten Angst.
Diese Angst zuzulassen und uns zeitgleich im Verstehen zu üben, kann hingegen ein möglicher Weg zur Wahrheit sein. Davon abzulassen, unseren Erfahrungshorizont mittels Klassen, Rassen und Rubriken andauernd passgerecht zu machen, und dort, wo wir nicht weiter wissen, mit dem Soll einer Norm zu argumentieren, kann uns im Nebeneffekt unsere wesenseigene Fülle eröffnen. Vielleicht nicht nur ein Weg zur Wahrheit, sondern ebenfalls zum Frieden - denn wo wir uns selbst die Vielzahl an Gesichtern erlauben, da gelingt uns dies ebenso in Konfrontation mit einer Welt.
Individualität, Entdeckungslust und Unvoreingenommenheit sind demnach die geeigneten Wegweiser durch den Dschungel unseres Selbst. Sobald wir aber begreifen, dass nicht zuletzt unser Ich ein unentdecktes Reich ewigen Neulands ist, werden wir auch unsere Angst vor Heterogenität und Unwägbarkeiten verlieren.
Mehr unter: http://www.schreibe.net
Tatsache ist: Wir haben fortwährend den Drang, uns ein Bild von dieser Welt zu formen. Es entspricht einer grundlegenden Eigenschaft des Menschen, die eigene Umwelt erfahrbar und vorhersehbar zu machen, und das potentielle Risiko jedes Exotischen so gering wie möglich zu halten. So lauter dieses Vorgehen auch ist, stellt sich einzig die Frage, wem wir im Zweifelsfall den Vorzug geben - unseren gewohnten Parametern oder aber der unleugbaren Vielgestaltigkeit einer Welt.
Solange wir unsere Definitionen bedingungslos unseren Erfahrungen unterstellen, und sie uns lehren lassen, diese Welt immer wieder mit neuen Augen zu sehen, beschreiten wir einen gesunden & nützlichen Weg. Dies bringt mit sich, unser Weltbild andauernd expandieren zu lassen und unsere Begriffsbestimmungen dort auszudehnen, wo uns bis dato Unbekanntes gegenüber steht. Niemals nämlich ist es an dieser Welt, sich unseren engen Rastern unterzuordnen, sondern es ist an uns, unsere Vorstellungen behutsam an die Weiten des Möglichen zu gewöhnen.
Überwiegend beschreiten wir jedoch den umgekehrten Weg und lassen das Motto "quadratisch, praktisch, gut" über uns regieren. In dieser Weise passen wir nur selten unsere üblichen Termini einer gegebenen Vielfalt an, sondern degradieren selbst noch die Unendlichkeit zu einer definierten Maßeinheit. Wir verlieren uns in den beengten Stallungen unserer vertrauten Betrachtungsweisen und verschließen unsere Augen vor dem Facettenreichtum jedweden Ichs. Unser Horizont bleibt derweil beschränkt und überschaubar, denn was wir nicht kennen, macht uns nicht selten Angst.
Diese Angst zuzulassen und uns zeitgleich im Verstehen zu üben, kann hingegen ein möglicher Weg zur Wahrheit sein. Davon abzulassen, unseren Erfahrungshorizont mittels Klassen, Rassen und Rubriken andauernd passgerecht zu machen, und dort, wo wir nicht weiter wissen, mit dem Soll einer Norm zu argumentieren, kann uns im Nebeneffekt unsere wesenseigene Fülle eröffnen. Vielleicht nicht nur ein Weg zur Wahrheit, sondern ebenfalls zum Frieden - denn wo wir uns selbst die Vielzahl an Gesichtern erlauben, da gelingt uns dies ebenso in Konfrontation mit einer Welt.
Individualität, Entdeckungslust und Unvoreingenommenheit sind demnach die geeigneten Wegweiser durch den Dschungel unseres Selbst. Sobald wir aber begreifen, dass nicht zuletzt unser Ich ein unentdecktes Reich ewigen Neulands ist, werden wir auch unsere Angst vor Heterogenität und Unwägbarkeiten verlieren.
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